Jugendforschung

DJI: Forschungsergebnisse zur Lebenssituation von LSBT*

Trauriger Junge sitzt auf Treppe

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) veröffentlicht die erste bundesweite Studie zur Lebenssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Achtzig Prozent der jungen Menschen geben an, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität bereits Diskriminierung erfahren zu haben.

12.11.2015

Lesbisch, schwul, bisexuell oder trans* (LSBT*) zu sein, ist gesellschaftlich heute nicht überall selbstverständlich. LSBT* Jugendliche und junge Erwachsene machen in verschiedenen Kontexten diskriminierende Erfahrungen, sei es in der Schule oder am Ausbildungsplatz, in der Familie oder der Öffentlichkeit. Viele von ihnen erleben den Prozess des Coming Out als ambivalente und teils komplizierte Zeit.

Erkenntnisse über Coming Out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen

Dank eines Forschungsprojekts des Deutschen Jugendinstituts liegen erstmals bundesweite Erkenntnisse über die Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von LSBT* Jugendlichen vor. Hierfür haben über 5.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 27 Jahren von ihren Erfahrungen berichtet. Erste Ergebnisse des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten Projekts sind nun in einer Broschüre zusammengefasst.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass das innere Coming Out, also der Prozess der Bewusstwerdung und die Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität, häufig Jahre dauert und oft als belastend erlebt wird. Viele LSBT* Jugendliche versuchen aus Sorge vor negativen Reaktionen ihrer Eltern und Geschwister, im Freundeskreis, in der Schule oder in der Ausbildung über einen längeren Zeitraum ihre "wahren Gefühle" zu unterdrücken bzw. zu verheimlichen. Drei Viertel der Jugendlichen befürchten von Freund/ -innen abgelehnt zu werden, sieben von zehn haben Angst vor Ablehnung durch Familienmitglieder. Knapp zwei Drittel der Jugendlichen haben Sorge, dass ein Coming Out zu Problemen im Bildungs- und Arbeitsbereich führt.

Coming Out dauert häufig Jahre und wird oft als belastend erlebt

Während der Zeit der inneren Auseinandersetzung mit dem eigenen sexuellen oder geschlechtlichen Empfinden können LSBT* Jugendliche oft mit niemanden über ihre Empfindungen sprechen und ziehen sich teilweise aus sozialen Kontexten zurück. Vielfach erfolgt das häufig strategisch geplante äußere Coming Out deshalb erst nach Jahren. 

Die Mehrheit der Jugendlichen vertraut sich zuerst einer Person im Freundeskreis an – wo sie meist positive Erfahrungen machen. Die Reaktionen der Eltern und in der Schule sind zumeist weniger positiv. Dabei ist zu betonen, dass dies Lebensbereiche sind, auf die Jugendliche in hohem Maße angewiesen sind und aus denen sie sich nicht bzw. nur schwer zurückziehen können. Insgesamt geben acht von zehn LSBT* Jugendlichen und jungen Erwachsenen an, dass sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität bereits Diskriminierung erlebt haben.

Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten sichtbar machen

Einem großen Teil der Jugendlichen gelingt es, negative Erfahrungen konstruktiv zu verarbeiten, wobei vor allem ihre eigene Handlungsfähigkeit und der Rückhalt durch Freund/ -innen wichtig sind. Als weitere Unterstützung, gerade auch für Jugendliche im ländlichen Raum, kommt dem Internet eine entscheidende Rolle zu. Hier können sich LSBT* Jugendliche informieren und sich einen Überblick über Beratungs- und Freizeitangebote verschaffen. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass es dauerhaft notwendig ist, die Vielfalt der sexuellen und geschlechtlichen Zugehörigkeiten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen beispielsweise in der Schule, dem Sport, in der Ausbildung oder den Medien sowie im medizinischen Bereich sichtbarer zu machen und stärker mit positiv besetzten Rollenvorbildern zu verorten.

Die Studie beruht auf einer Onlinebefragung, an der über 5.000 LSBT* Jugendlichen teilgenommen haben. Darüber hinaus fanden 40 qualitative Interviews statt, in der LSBT* Jugendliche und junge Erwachsene ausführlich von ihrer Lebenssituation berichten. Differenziertere Ergebnisse werden in einer Buchpublikation 2016 veröffentlicht.

Lebenssituation von LSBT*  verbessern

Am vergangenen Freitag (06.11.2015) hatte das DJI zentrale Ergebnisse der Studie gemeinsam mit dem BMFSFJ in Berlin vorgestellt. Die Ergebnisse der Studie sollen auch in Maßnahmen einfließen, um die Lebenssituation von LSBT* Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu verbessern (<link https: www.jugendhilfeportal.de forschung jugendforschung artikel erste-bundesweite-studie-coming-out-und-dann-vorgestellt external-link-new-window zur>Fachkräfteportal berichtete). Das betonte die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesjugendministerin, Caren Marks. 

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt stehen auf der <link http: www.dji.de external-link-new-window zu den>Internetseite des DJI zur Verfügung. Dort können auch die ersten, zentralen Ergebnisse in Form der <link http: www.dji.de fileadmin user_upload bibs2015 external-link-new-window zur>Broschüre „Coming-out – und dann …?!“ (pdf, 1,6 MB) abgerufen werden. 

Quelle: Deutsches Jugendinstitut vom 06.11.2015

Redaktion: Frank Beckmann

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