Regionale Jugendpolitik
Bildungszeit in Sachsen - Warum wir sie brauchen – und was gerade im Landtag passiert
Über 55.000 Menschen fordern: Sachsen braucht 5 Tage Bildungszeit pro Jahr – für Ehrenamt, Jugend- und Demokratiebildung. Doch aus dem Gesetzesentwurf wurde eine abgespeckte „Qualifizierungszeit“. Jugendverbände und Initiativen kämpfen weiter – für mehr Zeit, Engagement und eine starke Zivilgesellschaft.
15.09.2025
In allen Bundesländern (außer in Bayern und in Sachen) ist es längst selbstverständlich: Beschäftigte haben einen Anspruch auf Bildungszeit – also ein paar Tage im Jahr, die sie für Weiterbildung insbesondere im gesellschaftliches Engagement nutzen können.
In Sachsen soll sich das nun ändern. Mehr als 55.500 Menschen aus Vereinen, Gewerkschaften und Initiativen haben mit ihrer Unterschrift den Volksantrag „5 Tage Bildungszeit“ unterstützt. Mit dabei: Sportvereine, Feuerwehren, Kulturinitiativen und natürlich die Kinder- und Jugendarbeit. Auch wir haben per Beschluss im Bündnis “5 Tage Bildungzeit für Sachsen” mitgewirkt.
Vom Volksantrag zum Gesetz
Der ursprüngliche Gesetzesvorschlag sieht 5 Tage Bildungszeit pro Jahr vor. Die Staatsregierung hat daraus mit diversen Änderungsanträgen nun eine „Qualifizierungszeit“ von 3 Tagen gemacht, die ab dem 1. Januar 2027 gelten soll. Die Entscheidung darüber fällt voraussichtlich Ende 2025 oder Anfang 2026.
Am 26. August fand dazu eine Anhörung im Landtag statt. [Der] Vorsitzende Vincent Seeberger vertrat dort den Kinder- und Jugendring Sachsen e. V. (KJRS) und machte deutlich, warum Bildungszeit gerade für junge Engagierte so wichtig ist.
Neben ihm waren zahlreiche Vertreter*innen aus Gewerkschaften, Sport, Wirtschaft und Wissenschaft geladen – etwa Daniela Kolbe (DGB Sachsen), Christian Dahms (Landessportbund Sachsen) oder Dietmar Link (Johanniter-Unfall-Hilfe Sachsen).
Worum geht es bei der Bildungszeit?
Bildungszeit ist kein „Extra-Urlaub“. Sie stärkt Engagement und Weiterbildung in vielen Bereichen der Gesellschaft:
- Jugend- und Jugendverbandsarbeit: Die JuLeiCa-Schulung für Gruppenleiter*innen umfasst über 30 Stunden Inhalte – von Kinderschutz über Demokratiebildung bis Erste Hilfe. Dafür reichen 3 Tage nicht aus.
- ehrenamtliches Engagement: Ob Blaulicht oder Ferienfreizeiten – ohne qualifizierte Ehrenamtliche wäre vieles im Alltag nicht möglich. Bildungszeit unterstützt sie, ihre Aufgaben gut auszuführen.
- Gesellschaftlicher Mehrwert: Wer früh Verantwortung übernimmt, bleibt oft ein Leben lang engagiert. Bildungszeit fördert so Demokratie, Eigenverantwortung und bürgerschaftliches Handeln.
Oder, wie es Vincent Seeberger in der Anhörung sagt:
„Die Ausbildung von ehrenamtlichen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ist für unsere Tätigkeit in der Kinder- und Jugendarbeit unverzichtbar. Für die Juleica-Schulung sind 30 Stunden notwendig. Wir brauchen genug Zeit, um junge Menschen zu qualifizieren. Fünf Tage Bildungszeit sind nötig!“
Streit um Bürokratie und Kosten
Während das Bündnis „Zeit für Sachsen“ Bildungszeit als einfache und günstige Lösung sieht, warnen manche Wirtschaftsverbände vor zusätzlicher Belastung in „schwierigen Zeiten“. Dazu kommt aber auch: Änderungsanträge, vor allem aus den Reihen der CDU, machen den vormals schlanken Gesetzesentwurf komplizierter und bürokratischer.
Fest steht aber: Jugendverbände (als anerkannte freie Träger der Jugendhilfe) bleiben automatisch anerkannte Bildungsträger. Das heißt, Schulungen wie die JuLeiCa sind auch in Zukunft direkt abgedeckt - das können wir klar als Erfolg unserer Mitarbeit im Bündnis verzeichnen!
Bildungszeit: Eine Investition in die Zukunft
Ob Demokratiebildung, Nachwuchs im Katastrophenschutz oder die Gestaltung der (Sommer-)Ferien – Bildungszeit ist kein Luxus. Sie ist eine Investition, die sich für die gesamte Gesellschaft auszahlt.
Die Politik hat nun die Wahl:
Bildungszeit einführen – ein kleines, aber starkes Instrument für Engagement und Zusammenhalt.
Oder auf teurere Alternativen setzen – etwa mehr Hauptamtliche in Staatsverwaltung und einer höheren Teilzeitquote, während Ehrenamtliche auf der Strecke bleiben.
Wie geht es jetzt weiter?
Nun folgen Ausschussberatungen und mögliche Änderungen. Kommt es im Dezember-Plenum noch nicht zu einer Entscheidung, läuft die Frist für den Volksantrag ab. In diesem Fall könnte das Bündnis „Zeit für Sachsen“ den nächsten Schritt gehen: ein Volksbegehren. Dann wären erneut viele Menschen in Sachsen gefragt, ihre Unterstützung für Bildungszeit zu zeigen.
Wichtig ist: Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD wurde die Einführung einer Bildungs- bzw. Qualifizierungszeit bereits vereinbart. Die Politik steht also im Wort – nun muss sie diese Zusage auch einlösen.
Quelle: Kinder- und Jugendring Sachsen vom 05.09.2025
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