Soziale Medien

Bayerischer Jugendring gegen Social-Media-Verbot für Jugendliche

BJR-Präsident Philipp Seitz: Statt Abschottung mehr Medienkompetenz, klare Regeln für Plattformen und echte Unterstützung für junge Menschen. Der BJR fordert deshalb eine verbindliche Verankerung von Medienbildung in allen Schulformen sowie eine nachhaltige finanzielle Absicherung medienpädagogischer Angebote.

23.04.2026

Der Bayerische Jugendring (BJR) hat sich auf seiner jüngsten Vollversammlung in der Debatte um ein Social-Media-Verbot klar gegen entsprechende Forderungen und starre Altersgrenzen für junge Menschen positioniert. Ein pauschales Verbot sei keine Lösung, sondern ein Ausweichen vor den eigentlichen Herausforderungen der digitalen Gesellschaft, erklärte BJR-Präsident Philipp Seitz.  Als höchstes beschlussfassendes Gremium der Jugendarbeit in Bayern vertritt die Vollversammlung die Interessen von mehreren Millionen jungen Menschen und setzt zentrale jugendpolitische Impulse.

BJR-Präsident Seitz

„Wer glaubt, man könne Social Media einfach verbieten, hat die Lebensrealität junger Menschen nicht verstanden. Digitale Räume sind heute Orte der Information, der Begegnung, des inhaltlichen Austauschs und der Meinungsbildung. Wer Jugendliche daraus ausschließt, schließt sie auch aus der Gesellschaft aus.“ 

Social Media sei längst tief im Alltag junger Menschen verankert.

Gleichzeitig belegen Studien, dass Jugendliche dort regelmäßig mit Desinformation, problematischen Inhalten und digitalen Übergriffen konfrontiert sind. Für den BJR ist deshalb klar: Die Antwort auf diese Risiken kann nicht Abschottung sein, sondern muss auf Bildung, Befähigung und klare Regeln setzen. Seitz wörtlich: 

„Ein Verbot ist kein Jugendschutz. Es ist ein politisches Wegducken. Wenn wir junge Menschen schützen wollen, müssen wir ihnen die Fähigkeiten geben, sich sicher und selbstbestimmt im digitalen Raum zu bewegen. Medienkompetenz ist die Voraussetzung dafür, dass Demokratie im digitalen Zeitalter überhaupt funktioniert.“

Der BJR fordert deshalb eine verbindliche Verankerung von Medienbildung in allen Schulformen, den Ausbau außerschulischer Bildungsangebote sowie eine nachhaltige finanzielle Absicherung medienpädagogischer Angebote. Gleichzeitig brauche es klare politische Rahmenbedingungen für Plattformen, insbesondere beim Umgang mit Desinformation, Deepfakes, Hate Speech, Extremismus und digitaler Gewalt.

Unterstützung für diese Einschätzung kam bei der Vollversammlung von der Bayerischen Staatsregierung. Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring stellte klar, dass pauschale Verbotsdebatten zu kurz greifen: 

„Soziale Medien sind da, und sie gehen auch nicht mehr weg. Aus Überforderung damit einen digitalen Verbotsstaat zu errichten, wäre eine Kapitulation vor der digitalen Transformation.“

Stattdessen brauche es einen kompetenzorientierten Ansatz. „Wir müssen junge Leute fit für den Umgang mit den Werkzeugen ihrer Zeit machen“, betonte Dr. Mehring.

Das beste Argument gegen pauschale Verbote sah der Minister dabei im Nutzerverhalten der Babyboomer-Generation, die ohne soziale Medien aufgewachsen sei: „Ein später Einstieg garantiert kein reflektiertes Nutzerverhalten – eher im Gegenteil“, warnte Mehring. Anstelle von undifferenzierten Verboten plädierte er für eine verlässliche Altersverifikation mitsamt Klarnamenpflicht, sodass altersgerechter Content ausgespielt werden und der Umgang mit digitalen Tools schrittweise erlernt werden kann – analog zur FSK-Freigabe beim Film: „Dann sind junge Menschen geschützt, und es muss niemandem etwas pauschal verboten werden.“

Der BJR unterstützt diese Aussagen des Digitalministers. Zugleich macht BJR-Präsident Philipp Seitz deutlich, dass jetzt dringend konkrete politische Schritte nötig sind: „Wir brauchen klare Regeln für die Plattformen, konsequentes Vorgehen gegen Desinformation und echte Investitionen in Bildung. Alles andere ist Symbolpolitik – und die hilft niemandem.“ Der BJR betont dabei, dass die Risiken digitaler Medien real sind und ernst genommen werden müssen. Doch nachhaltige Lösungen entstehen nicht durch Verbote, sondern durch Kompetenz, Begleitung und juristisch klare Rahmenbedingungen. 

„Die junge Generation fordert keine Verbote, sondern will verstehen, wie digitale Räume funktionieren. Und sie will sich sicher darin bewegen können. DAS ist der Auftrag an die Politik“,

so Philipp Seitz abschließend.

Quelle: Bayerischer Jugendring vom 26.03.2026

Redaktion: Klara Neumann