Allgemeine und berufliche Bildung

Allgemeiner Rahmen

Wichtigste Trends bei der Beteiligung junger Menschen an allgemeiner und beruflicher Bildung

Ergebnisse des Bildungsberichts 2018

Der nationale Bildungsbericht erscheint alle 2 Jahre als umfassende und empirisch fundierte Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens: von der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung über die allgemeinbildende Schule und die non-formalen Lernwelten im Schulalter, die berufliche Ausbildung und Hochschulbildung bis hin zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. In einem Schwerpunktkapitel wird vertiefend der Frage nachgegangen, welche Wirkungen und Erträge Bildung in unterschiedlichen Bereichen des Lebens und der Gesellschaft entfaltet.

Die Quote der Abgänger ohne Abschluss ist laut Bildungsbericht nach langjährigem Rückgang zuletzt leicht angestiegen: Mit 49.300 Schulabgängen bzw. 6 % der gleichaltrigen Bevölkerung haben 2016 wieder mehr Jugendliche als in den Vorjahren die Schule verlassen, ohne mindestens den Hauptschulabschluss erreicht zu haben. Dabei handelt es sich vornehmlich um einen Anstieg bei ausländischen Jugendlichen. 

Seit 2013 stieg die Anzahl junger Erwachsener im Bundesfreiwilligendienst um 27 % und beim Freiwilligen Sozialen Jahr um 9 %. Insgesamt absolviert aktuell etwa jeder 10. junge Erwachsene einen Freiwilligendienst. Diese Form des Engagements findet sich allerdings bei Frauen deutlich häufiger. Während etwa 14 % der jungen Frauen einen Freiwilligendienst leisten, liegt der Anteil bei den jungen Männern bei nur etwa 8 %. 

Der Studienabbruch bleibt mit knapp 30 % auf hohem Niveau. Mehr als die Hälfte der Studienabbrecherinnen und -abbrecher nimmt nach dem Verlassen der Hochschule eine berufliche Ausbildung auf; ein Fünftel wird erwerbstätig. Gegenüber den Vorjahren steigt die Abbruchquote im Masterstudium an.

Die Anfängerzahlen in den beiden vollqualifizierenden Segmenten der beruflichen Ausbildung blieben in den letzten 3 Jahren relativ konstant. 2017 waren rund 490.000 Neuzugänge im dualen System und etwa 214 .000 im Schulberufssystem zu verzeichnen. Der Wiederanstieg des Übergangssektors in den letzten 3 Jahren ist vor allem auf die Aufnahme von Schutz- und Asylsuchenden in Angebote der Berufsvorbereitung zurückzuführen. 2017 entfielen mit knapp 292.000 Personen rund 30 % der Neuzugänge in die berufliche Ausbildung auf den Übergangssektor.

Von den Jugendlichen aus der größten Bevölkerungsgruppe, den Familien, in denen die Eltern über eine berufliche Ausbildung verfügen, gelangt nur ein Viertel an eine Hochschule. Bei Jugendlichen aus Familien, in denen ein Elternteil oder beide einen Hochschulabschluss haben, liegt dieser Anteil mehr als 3- mal so hoch, bei 79 %. Zu den unterschiedlichen Beteiligungsquoten an der Hochschulbildung tragen auch herkunftsspezifische Bildungsentscheidungen bei Studienberechtigte aus Familien, in denen ein Elternteil oder beide einen Hochschulabschluss haben, nehmen – seit 2 Dekaden unverändert – mit einer um 20 Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit ein Studium auf.

Herausforderungen im Bildungsbereich

Die im Bildungsbericht 2018 benannten Herausforderungen lauten: Zuwachs an mehr Bildungsteilnehmerinnen und –teilnehmern, Trend zu höherer Bildung, anhaltende Disparitäten zwischen Bildungsbenachteiligten und Leistungsspitze, Wachsende Heterogenität in den Bildungseinrichtungen, Unterschiedliche  Entwicklungsperspektiven von Bildungsregionen, Ausbau und Umbau von Bildungsinstitutionen, Personalentwicklung und Personalausbau.

Auch der Chancenspiegel 2017 als ergänzendes Instrument der Bildungsberichterstattung stellt fest, dass alle Bundesländern ihre Schulsysteme insgesamt leistungsstärker und chancengerechter gemacht haben, dies aber auf unterschiedlichem Niveau und mit unterschiedlichen Schwachstellen. Die Chancen benachteiligter Schüler haben sich ebenfalls verbessert, bleiben aber die große Herausforderung für die Schulpolitik, insbesondere der Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft.

Schulabbrecher/-innen

Der Indikatorenbericht 2018 zur nachhaltigen Entwicklung in Deutschland  weist den Anteil der frühen Schulabgänger/-innen (18- bis 24-Jährige) mit 10,1% aus und liegt damit über dem an die Strategie „Europa 2020“ angepassten Ziel von 10%. Gemeint sind hier Personen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren, die weder über eine Hochschulzugangsberechtigung wie Abitur oder Fachhochschulreife noch über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen und die auch nicht an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen.

Weitere Informationen sind erhältlich im Education and Training Monitor 2021 (PDF, 4,3 MB)

Organisation des Bildungs- und Ausbildungssystem

Die deutsche Schulpolitik liegt im Hoheitsbereich der Bundesländer. Daher gibt es in Deutschland kein einheitliches Schulsystem. Es bestehen unterschiedliche Systeme und Regelungen in jedem der 16 Bundesländer.

In Deutschland besteht Schulpflicht. Sie ist nicht bundeseinheitlich geregelt. Die allgemeine Schulpflicht besteht länderübergreifend bis zur Volljährigkeit. Sie umfasst eine Vollzeitschulpflicht (Primar- und Sekundarstufe I) und eine Berufsschulpflicht. Beispiele :

Bundesland Schulpflicht Vollzeitschulpflicht Berufsschulpflicht
Baden-Württemberg bis zum Ende des 18. Lebensjahrs Vier Jahre Gundschule, fünf Jahre aufbauende Schule Für die Dauer des Ausbildungsverhältnisses, sofern Ausbildung vor Ende der Berufsschulpflicht begonnen
Bremen Zwölf Jahre Mindestens zehn Jahre oder bis zum Erreichen der erweiterten Berufsbildungsreife oder des Mittleren Schulabschlusses auf einer allgemeinbildenden Schule Für die Dauer des Ausbildungsverhältnisses
Hessen Bis zum Ende des 21. Lebensjahres Neun Jahre Für die Dauer des Ausbildungsverhältnisses
Nordrhein-Westfalen Bis zum Ende des Schuljahrs, in dem das 18. Lebensjahr vollendet wird Zehn Jahre für Primar- und Sekundarstufe I, neun Jahre für Gymnasien (da Sek I a.d. Gymnasium nur bis zum Abschluss der 9. Klasse); zehntes Jahr der Vollzeitschulpflicht kann durch das erste Jahr der Fachklasse der Berufsschule ersetzt werden Für die Dauer des Ausbildungsverhältnisses, sofern Ausbildung vor Vollendung des 21. Lebensjahrs begonnen
Sachsen In der Regel zwölf Jahre Neun Jahre Für die Dauer des Ausbildungsverhältnisses, sofern Ausbildung vor Ende der Berufsschulpflicht begonnen
Thüringen In der Regel zwölf Jahre Neun Jahre Für Auszubildende bis zum Ende des Schuljahrs, in dem das 21. Lebensjahr vollendet wird

Weitere Informationen:

Wichtige Konzepte

Inklusion: Wenn im Bildungsbereich von Inklusion gesprochen wird, dann ist damit gemeint, dass Menschen mit und ohne Behinderungen in allen Bildungseinrichtungen von Anfang an gemeinsam lernen. Aufgabe des Bildungssystems ist es, durch Bereitstellen von speziellen Mitteln und Methoden einzelne Lernende besonders zu unterstützen und zu fördern und das System an die Bedürfnisse der Lernenden anzupassen und nicht umgekehrt.

Jugendarbeit: Jugendarbeit umfasst Lern – und Sozialisationshilfen außerhalb von Schule und Beruf. Sie spricht Jugendliche direkt an. Die Angebote werden von den Jugendlichen freiwillig wahrgenommen. Jugendarbeit ist ein Feld sozialen Lernens. Es unterstützt junge Leute dabei, ihre Persönlichkeit eigenverantwortlich zu entwickeln und in die Gesellschaft hineinzuwachsen. Sie vermittelt gesellschaftliche Werte. Außerdem eröffnet, begleitet, unterstützt und qualifiziert sie Bildungsprozesse. Diese sind als Prozesse der Selbstentwicklung zu verstehen.1  

Medienkompetenz: Medienkompetenz im Sinne Dieter Baackes steht nicht für ein subjektiv−individualistisch verkürztes Konstrukt, sondern für ein Gestaltungsziel auf überindividueller, gesellschaftlicher Ebene innerhalb eines Diskurses zur Informationsgesellschaft.

Non-formales Lernen: Eine allgemein anerkannte Definition für den Begriff ‚non-formales Lernen‘ gibt es nicht. Die im Kontext non-formalen Lernens verwendete Definition orientiert sich an den gängigen Begriffen, die von europäischen und internationalen Einrichtungen verwendet werden.

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Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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