Gesundheit
„Zuckersteuer nicht auf die lange Bank schieben.“
Die DANK fordert eine Zuckersteuer als Herstellerabgabe zur Prävention. Großbritannien und Chile zeigen Erfolge: reduzierter Zuckerkonsum, gesündere Rezepturen und weniger Adipositas bei Kindern. Deutschland sollte verbindliche Maßnahmen wie Nutri-Score und Werbebeschränkungen umsetzen.
30.07.2026
„Keine GKV-Reform ohne wirksame Prävention! Wir begrüßen es sehr, dass die Bundesregierung mit dem Beschluss des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes in dieser Woche endlich aus dem Debattier- in den Umsetzungsmodus schaltet. Jetzt ist es entscheidend, das Gesetz zur Einführung einer Zuckersteuer nicht auf die lange Bank zu schieben und sich nicht von Scheindebatten zur Wirksamkeit ablenken zu lassen. Die Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit und der Wissenschaft zur Ausgestaltung der Zuckerabgabe geben einen klaren und sinnvollen Rahmen vor. Daran sollte sich das Bundesministerium für Gesundheit orientieren.“
Das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) spricht sich seit 15 Jahren für die Einführung einer Zuckersteuer als Herstellerabgabe aus, damit die gesunde Wahl zur einfachen Wahl wird. In Großbritannien ist es seit der Einführung der Steuer gelungen, den Zuckergehalt in den Getränken zu reduzieren, die Rezepturen nachhaltig anzupassen und den Zuckerkonsum über diese Produkte bei Kindern und Jugendlichen zu halbieren.
„In Großbritannien ist die Zuckersteuer ein echtes Erfolgsmodell. Die britische Regierung hat erkannt, dass Lenkungssteuern Einfluss auf Rezepturen der Hersteller, den Zuckerkonsum, das Kaufverhalten und die Gesundheit entwickeln können. Sie schärft die Abgabe in den kommenden Jahren daher nach und weitet sie auch auf andere Produktgruppen aus“,
erläutert die Sprecherin der DANK.
Beispiel Chile: Zuckersteuer mit anderen Maßnahmen flankieren
Dass sich ernährungspolitische Maßnahmen auf die Gesundheit auswirken können, schlüsselte eine aktuelle Studie jüngst auf, die im Lancet erschienen ist. Forschende analysierten das chilenische Lebensmittelkennzeichnungs- und Werbegesetz und die Daten von mehr als 320.000 Kindern verschiedener Geburtenkohorten. Das Ergebnis: Kinder, die den ernährungspolitischen Maßnahmen ausgesetzt waren, hatten eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit für Übergewicht oder Adipositas. Bei Mädchen war die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht oder Adipositas um rund 2,8 % geringer, bei Jungen um 2,4 %.
Das südamerikanische Land setzt neben einer Zuckersteuer bereits seit Jahren auf ein Maßnahmenpaket, das Warnhinweise auf der Vorderseite von Verpackungen für Produkte mit zu viel Zucker, Salz oder gesättigten Fetten, Werbebeschränkungen für ungesunde Lebensmittel gegenüber Kindern und Einschränkungen des Verkaufs und Marketings ungesunder Produkte an Schulen umfasst. In Deutschland ist die ‚Nährwert-Ampel‘ Nutri-Score dagegen noch immer freiwillig für die Unternehmen. Eine umfassende Wirkung kann das System jedoch nur entfalten, wenn er verbindlich auf allen Verpackungen zu finden ist. Auch das Gesetz zur Regulierung von Werbung für Produkte, die viel Zucker, Fett und Salz erhalten und sich direkt an Kinder richten, wurde nach langen und sehr intensiven politischen Diskussionen unter der Ampelkoalition nicht umgesetzt.
„Die Daten aus Chile und Großbritannien zeigen, dass Prävention kein nettes ‚add on‘ für die Gesundheitspolitik und den Kinderschutz ist, sondern entscheidend sein kann, um dauerhaft mehr gesunde Lebensjahre zu sichern und das Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten. Mit der Einführung einer Zuckersteuer in Deutschland können dafür entscheidende Impulse gesetzt werden“,
schließt Präventionsexpertin Bitzer.
Quelle: Deutsche Diabetis Gesellschaft vom 06.07.2026
Materialien zum Thema
-
Monographie / Buch
Gesundheitsförderung und Prävention
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Frühintervention bei Cannabisauffälligkeiten Minderjähriger (nach § 7 KCanG)
-
Stellungnahme / Diskussionspapier
Welttag der psychischen Gesundheit - Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit rückt benachteiligte junge Menschen in den Fokus und bezieht Stellung
-
Zeitschrift / Periodikum
AFET-Fachzeitschrift Dialog Erziehungshilfe 1-2024
-
App
This is me!
Projekte zum Thema
-
LAG Jungenarbeit NRW e.V.
Praxisprojekt 2025 - Von Cent zu Sinn
-
Kinder - und Jugendhilferechtsverein e.V.
Landesjugendkonferenz Sachsen
-
Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung in Kitas
Gute und gesunde Kita für alle! Kita-Qualität durch Gesundheitsförderung stärken
-
Zukunftswerkstatt Rückenwind e. V.
Fugee Angels
-
NEXTdays: Young Consumers for Europe