Deutscher Engagementpreis 2021

Sieben herausragend engagierte Projekte und Vereine ausgezeichnet

Feuerwerkskörper am Abendhimmel

Am 2. Dezember wurde im Deutschen Theater Berlin der Deutsche Engagementpreis 2021 verliehen. Sieben herausragend engagierte Projekte und Vereine wurden mit dem Dachpreis für freiwilliges Engagement ausgezeichnet. Die Preise mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 40.000 Euro gehen nach Berlin, Hamburg, Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen.

03.12.2021

Den Dachpreis für freiwilliges Engagement und damit jeweils 5.000 Euro Preisgeld haben das Projekt „Vorbilder“ des Future of Ghana Germany e. V. aus Hamburg, „Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern - AMSOC e. V.“ aus Berlin, der Verein „Zivilcourage für ALLE“ aus Brunnthal in Bayern, das Projekt „Breathe in Break out“ aus Halle (Sachsen-Anhalt) sowie der „Förderverein Romanusbad Siebenlehn e. V.“ aus Sachsen erhalten. Ausgewählt wurden sie von einer Fachjury. Der mit 10.000 Euro dotierte Publikumspreis ging an das Projekt „Expedition Grundeinkommen“ in Berlin. Außerdem hat sich die Jury entschieden, mit einem Sonderpreis ein Zeichen für besonderen Zusammenhalt während der Coronapandemie zu setzen: Der Preis wurde an das Projekt „Lern-Fair“ des Corona School e.V. aus Bonn vergeben.

„Dieses Jahr hat uns einmal mehr gezeigt, wie unverzichtbar das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger in allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens ist. Die Preisträgerinnen und Preisträger zeigen die ganze Vielfalt und Breite des Engagements in Deutschland auf. An diesem Abend würdigen und feiern wir sie, aber auch das gesamte bürgerschaftliche Engagement,“ betont Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) als Vertreter des Bündnisses für Gemeinnützigkeit.

Die Preisverleihung

Prominente Laudatorinnen und Laudatoren würdigten die Preisträgerinnen und Preisträger:

  • Christine Lambrecht, Geschäftsführende Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  • Daniel Kroll, Pressesprecher und Leiter Unternehmenskommunikation, Deutsche Fernsehlotterie
  • Dr. Richard Lutz, Beiratsvorsitzender der Deutsche Bahn Stiftung und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG
  • Lan Böhm, Leiterin Fachbereich „Politische Bildung im ländlichen Raum“, Bundeszentrale für politische Bildung
  • Cameron Carpenter, Organist und Komponist
  • Raúl Krauthausen, Aktivist und Gründer der Sozialheld*innen
  • Nursemin Sönmez, Leiterin des Kompetenznetzwerks Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft, neue deutsche organisationen - das postmigrantische netzwerk e. V.

Die Preisträger/-innen 2021

Kategorie Demokratie stärken: Zivilcourage für ALLE e. V. (Brunnthal, Bayern)

Zivilcourage sichert öffentliche Freiräume – der Verein Zivilcourage für ALLE setzt sich aktiv für ein diskriminierungsfreies und gewaltfreies Miteinander ein. Mit zielgruppenspezifischen Trainings werden Wissen und Handlungsfähigkeit erlangt, um in Notsituationen kompetent zu handeln und zu helfen, ohne sich selbst zu gefährden. Gründungsimpuls war der gewaltsame Tod von Dominik Brunner, der an einem Bahnhof in München-Solln in eine gewalttätige Auseinandersetzung eingegriffen hatte, um zu helfen.
Ein Angebot zu schaffen, welches Bürger/-innen befähigt, für persönliche und öffentliche Freiräume einzutreten: aus Sicht der Jury ein beispielhaftes Engagement!

Kategorie Leben bewahren: AMSOC e. V. – Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern (Berlin)

Psychische Erkrankungen sind eine Belastung für Kinder, nicht selten erkranken Kinder selbst:
AMSOC e. V. aus Berlin hat seit 2005 ein beispielloses Konzept entwickelt, das für die betroffenen Kinder verlässliche, langfristige ehrenamtliche Pat:innen qualifiziert, findet und begleitet. So wird eine gesunde Entwicklung von Kindern unterstützt, Familien bleiben erhalten und psychische Erkrankungen werden enttabuisiert. Das bewährte, innovative Modell dient inzwischen als Vorbild und Orientierung für ähnliche Projekte deutschlandweit. Die Jury würdigt, dass mit diesem freiwilligen Engagement ein präventives Angebot für psychische Gesundheit von Kindern geschaffen wird, das Beständigkeit, Innovation und Qualität beispielgebend verbindet.

Kategorie Grenzen überwinden: Breathe in Break out (Halle, Sachsen-Anhalt)

Ein Hip-Hop-Projekt! Hier fasziniert eine Tanz- und Musikkultur und setzt Zeichen gegen Sexismus, Rassismus und Gewalt – für Weltoffenheit in Halle, wo der Rechtsextremismus gegenwärtig ist und ein Anschlag auf die Synagoge verübt wurde. Seit 2010 lockt das Team um Max Rademacher erfolgreiche internationale Künstler/-innen und Musiker/-innen zum Festival „Breathe in Break out“ nach Halle und aktiviert damit Jugendliche aus sozial benachteiligten Vierteln: Es entsteht ein besonderer, kreativer Raum für freie Ausdrucksformen ohne Ausgrenzung. Der strahlende Beitrag einer partizipativen Musikkultur für ein gleichberechtigtes Miteinander wird hier gewürdigt.

Kategorie Generationen verbinden: Förderverein Romanusbad Siebenlehn e. V. (Siebenlehn, Sachsen)

Rehasport im Bad für Ältere, Schwimmkurse für alle Kinder? Aber nicht ohne Freibad! Und dafür bewahrt und pflegt seit über 20 Jahren der Förderverein Romanusbad Siebenlehn e.V. das historische lokale Freibad, sorgt für Angebote und Sicherheit. Abwanderung aus der Region und klamme kommunale Kassen haben dieses Engagement hervorgerufen. Hier lebt ein soziales Gesamtkunstwerk mit Vorbildfunktion für Sachsen – nicht zuletzt ein Standortfaktor. Im Förderverein Romanusbad Siebenlehn e. V. erkannte die Jury eine besonders bedarfsgerechte sozialräumliche Selbstorganisation mit direkter Wirkung für die Lebensqualität der Menschen und der Region.

Kategorie Chancen schaffen: Vorbilder – Future of Ghana Germany e.V. (Hamburg)

Schwarze Vorbilder? Vielen Schwarzen Jugendlichen fehlt es daran. Das Projekt „Vorbilder“ richtet sich seit 2016 an junge Schwarze Menschen. Durch gezieltes Mentoring mit persönlichen Gesprächen, Workshops und Ausflügen ermutigen und fördern die Schwarzen Mentor/-innen die Entfaltung von Begabungen und Möglichkeiten ihrer Mentees. So entstanden bereits mehr als 100 einzigartige Patenschaften. Die Verbindung von Mentoring und rassismussensiblem Empowerment ist aus Sicht der Jury besonders überzeugend und bedeutsam.

Publikumspreis: Expedition Grundeinkommen (Berlin)

Eine soziale Innovation anstoßen – auch dafür ist freiwilliges Engagement gut. Die Expedition plant Modellversuche zum Grundeinkommen, an denen sich deutschlandweit Städte und Gemeinden beteiligen können. Die Idee: Mindestens 10.000 Menschen erhalten drei Jahre lang ein bedingungsloses Grundeinkommen. Eine wissenschaftliche Begleitstudie berichtet über die Wirkungen und liefert so neue Erkenntnisse zu dieser Zukunftsidee. Getragen wird die Bewegung von einem Kampagnenbüro, das tausende Engagierte mobilisiert, die überregional argumentieren und Unterschriften sammeln, damit die Modellregionen entstehen – eine engagierte Gesellschaft. Die Abstimmung über den Publikumspreis gewann die Expedition Grundeinkommen mit 12.136 Stimmen.

Sonderpreis für Engagement in der Coronapandemie: Lern-Fair von Corona School e. V. (Bonn, Nordrhein-Westfalen)

Pandemiebedingte Schulschließungen und Distanzunterricht überfordern viele Eltern und Kinder. In der Coronapandemie entwickeln sich Kenntnisstand und Bildungschancen höchst unterschiedlich, denn nicht alle Familien können sich Nachhilfe und Laptops leisten. Daher hat der Verein Corona School e.V. seit 2020 digitale, kostenfreie Bildungs- und Förderangebote für Schüler/-innen entwickelt, mit einer interaktiven Lernplattform, 1:1­ Lernunterstützung und Gruppenkursen. Etwa 15.000 Studierende und 60 Koordinierende engagieren sich für dieses Angebot und haben erfolgreich 14.000 Lerntandems initiiert. Die Jury wurde von der Innovationskraft einer jungen Generation überzeugt, die in einer globalen und sozialen Krise solidarisch eine digitale Lösung für mehr Bildungsgerechtigkeit platziert.
Wettbewerb 2021

Für den Dachpreis Deutscher Engagementpreis konnten ausschließlich die Preisträgerinnen und Preisträger anderer Wettbewerbe nominiert werden, die freiwilliges Engagement in Deutschland auszeichnen. Insgesamt wurden in diesem Jahr 403 herausragend engagierte Personen und Initiativen von 141 Preisausrichtern nominiert. Bei der Abstimmung über den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises haben über 114.000 Menschen teilgenommen und für ihre Favorit/-innen abgestimmt.

Über den Deutschen Engagementpreis

Der Deutsche Engagementpreis ist der Dachpreis für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland. Nominiert werden können alljährlich Preisträger/-innen anderer Engagementpreise in Deutschland. Der Deutsche Engagementpreis würdigt das freiwillige Engagement von Menschen in unserem Land und all jene, die dieses Engagement durch die Verleihung von Preisen unterstützen. Ziel ist es, die Anerkennungskultur in Deutschland zu stärken und mehr Menschen für freiwilliges Engagement zu begeistern.

Initiator und Träger des seit 2009 vergebenen Deutschen Engagementpreises ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein Zusammenschluss von großen Dachverbänden und unabhängigen Organisationen des Dritten Sektors sowie von Expert:innen und Wissenschaftler:innen. Förderer sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Deutsche Fernsehlotterie und die Deutsche Bahn Stiftung.

Quelle: Deutscher Engagementpreis vom 02.12.2021

Redaktion: Mareike Ketelaar

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