Studie
Schulen können die Demokratie noch stärker machen – wenn sie richtig unterstützt werden
Mädchen auf Brücke
Schulen sind zentrale Orte der Demokratiebildung. Eine Studie zeigt: Wo Schüler*innen mehr mitbestimmen dürfen, entwickeln sie stärkere demokratische Kompetenzen und Motivation. Doch viele erleben noch wenig Mitgestaltung. Damit Schulen ihr Potenzial entfalten können, brauchen sie politische Unterstützung, mehr Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung und eine stärkere Feedback-Kultur.
26.09.2025
Wenn junge Menschen an der Gestaltung von Unterricht und Schulleben beteiligt werden, fördert das nicht nur ihre Persönlichkeitsentwicklung und Lernbereitschaft, sondern auch ihre demokratischen Kompetenzen. Vor allem Ganztagsschulen zeigen, dass Mitbestimmung gelingen kann. Insgesamt gibt es jedoch Verbesserungsbedarf. Um das Potenzial zu nutzen, brauchen Schulen Unterstützung seitens der Politik und Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung.
Schulen sind mehr als Lernorte – sie sind Orte, an denen junge Menschen Demokratie erfahren und gestalten können. Neue Daten zeigen: Dort, wo Schüler*innen mehr mitbestimmen können, sind ihre demokratischen Kompetenzen und die empfundene Selbstwirksamkeit ausgeprägter. Sie trauen sich eher zu, vor der Klasse über ein politisches Thema zu sprechen, eine Debatte zu verfolgen sowie den eigenen Standpunkt zu begründen. Das gilt insbesondere für Schulen mit Ganztagsangebot.
Zugleich geht aus der Studie „Demokratisierung des Lernens in Schule“ hervor, dass sich das demokratische Potenzial der jungen Menschen besser fördern ließe: So geben 63 Prozent der befragten Schüler*innen an, selten oder nie darüber mitbestimmen zu können, welche Themen und Inhalte sie im Unterricht bearbeiten. 55 Prozent berichten, dass sie kaum Einfluss auf die verwendeten Methoden und Materialien nehmen können. Auch bei der Feedback-Kultur gibt es Luft nach oben: 41 Prozent können den Lehrkräften selten oder nie mitteilen, was sie am Unterricht gut oder schlecht finden. Nur die Hälfte glaubt, Entscheidungen beeinflussen zu können, die die ganze Schule betreffen. Insbesondere in Gymnasien ohne Ganztagsangebot erleben die Schüler*innen wenig Möglichkeiten der Mitbestimmung.
Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung:
„Unsere Demokratie braucht engagierte junge Menschen, die gelernt haben, ihre Stimme zu erheben, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und Kompromisse zu finden. Schulen können dazu einen entscheidenden Beitrag leisten – wenn wir ihnen die richtigen Rahmenbedingungen geben.“
Mehr Beteiligung führt zu besseren Lernbedingungen
Wissenschaftlich erwiesen ist zudem: Wenn Schüler*innen mitentscheiden dürfen, was und wie sie lernen, steigt ihre Motivation im Unterricht. Sie fühlen sich ernst genommen und übernehmen mehr Verantwortung für ihren Lernprozess, wodurch sie gefordert und gefördert werden. Außerdem lässt sich der Unterricht besser auf die Schüler*innen zuschneiden, was Bildungserfolg und Chancengleichheit erhöht. Die Stiftung plädiert daher dafür, über alle Schulformen hinweg jungen Menschen die Chance zur Mitgestaltung zu geben:
„Eine zukunftsfähige Schule ist ohne Beteiligung nicht mehr vorstellbar“,
sagt Arne Halle, Experte für schulische Bildung.
Mit verschiedenen Initiativen haben wir bereits Wege aufgezeigt, wie Demokratiebildung an Schulen gelingen kann - von Projekten wie jungbewegt über Demokratiekosmos Schule bis hin zum kommunalen Monitoring UWE. Auch der „Themenpreis Demokratie“, der in diesem Jahr von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Rahmen des Deutschen Schulpreises am 30. September verliehen wird, würdigt Schulen, die Demokratie vorbildlich in ihren Alltag integrieren.
Beteiligung ist vor allem eine Frage der Haltung
Damit Schulen flächendeckend die Potenziale für die Demokratiebildung ausschöpfen können, brauchen sie Unterstützung auf mehreren Ebenen. Unsere Stiftung empfiehlt den Bundesländern, Schulen Instrumente zur Verfügung zu stellen, um Feedback von Schüler*innen verbindlich und regelmäßig einzubeziehen. Dabei kann es sich um digitale Befragungen handeln, die auch die Schüler*innen selbst durchführen können. Ebenso gefragt sind Konzepte für eine veränderte Lern- und Prüfungskultur, in der Schüler*innen stärker mitbestimmen, was und wie sie lernen. Dafür bräuchten Schulen mehr Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung sowie flexiblere Lehrpläne. Zentral ist zudem, Schulleitungen und Lehrkräfte durch gezielte Angebote zu qualifizieren und ihnen das Wissen zu vermitteln, um mehr Beteiligung sinnvoll umsetzen zu können. Nicht zuletzt ist es wichtig, die Mitbestimmungsrechte der Schülervertretungen zu stärken und sie enger in schulpolitische Diskussionen einzubinden.
Grundlegende Voraussetzung ist jedoch ein Mentalitätswandel vor allem in Schulpolitik und -verwaltung. Mit den entsprechenden Rahmenbedingungen kann es nach Ansicht der Autor*innen unabhängig von Schulart und Ganztagstyp gelingen, Schüler*innen an der Gestaltung von Unterricht und Schulleben stärker zu beteiligen.
„Den Auftrag, junge Menschen für das Leben in einer sich schnell verändernden Gesellschaft vorzubereiten, können Schulen nur erfüllen, wenn sie sich selbst verändern. Dafür brauchen sie die politische Rückendeckung, die Mittel und die nötigen Freiheiten“,
erklärt Halle.
Weitere Informationen
Quelle: Bertelsmann Stiftung vom 18.09.2025
Termine zum Thema
Materialien zum Thema
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Trotzdem über Israel und Palästina sprechen – Der Nahostkonflikt in der Bildungsarbeit
-
Broschüre
Trans* ganz einfach – im Job, in der Familie, auf Klassenfahrten – Praxisnahe Infos für Angehörige, Freund*innen und Fachkräfte
-
Podcast
Podcast Berufsjugendlich, Folge 55: Auch wir haben eine MeinungSocial-Media-Verbot:
-
Zeitschrift / Periodikum
AFET-Fachzeitschrift Dialog Erziehungshilfe 4-2025
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Lernen durch Engagement – Schule und Lernen zukunftsorientiert gestalten
Projekte zum Thema
-
Stiftung "Achtung!Kinderseele"
Nicht jedes Schulkind ist schon schulstark – ein Pilotprojekt der Stiftung „Achtung!Kinderseele“ will das ändern
-
Studio Gaus GmbH
Dandelin geht zur Schule
-
Deutsch-Europäisches Forum für Urbane Sicherheit e.V. und Deutscher Präventionstag
CleaRNetworking
-
Reinhard Gansert
SpoSpiTo-Bewegungs-Pass an Grundschulen – Laufend zu mehr Gesundheit und Klimaschutz
-
Stadtjugendring Leipzig e.V.
leipzig-wählt.de
Institutionen zum Thema
-
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
ufuq.de
-
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
Mansfeld-Löbbecke-Stiftung von 1833
-
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
young connections Chemnitz e.V.
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
Berliner Institut für Soziale Kompetenz & Gewaltprävention e.V.
-
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
Mansfeld-Löbbecke-Stiftung