Bildungspolitik

Kinder- und Jugendärzte zur PISA-Studie: „Endlich ernst machen mit Aktion Lesestart!“

„Die enttäuschende Lesekompetenz von Deutschlands Schülern überrascht uns nicht. Die Politik hat es versäumt, mit systematischen Leseförderprogrammen vor allem Kinder aus sozialen Brennpunkten bereits vor der Einschulung an Bücher heranzuführen und zum Selberlesen zu ermuntern.“ Dies sagte gestern in Köln Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

08.12.2010

„Die Politik hat die Aktion Lesestart, für die wir Kinder- und Jugendärzte uns seit Jahren stark machen, nicht umfassend und intensiv genug gefördert. Statt dessen hat sie dies privaten Unternehmen und Verbänden überlassen. Ergebnis: die kostenlosen Lesestart-Sets, die eigentlich alle Einjährigen bei den Vorsorgeuntersuchungen bekommen sollten, reichten nicht für alle Kinder aus. Bildungspolitik nach dem Grundsatz „Solange der Vorrat reicht“ bewirkt jedoch nichts.

Dies zeigt uns die PISA-Studie nun in aller Deutlichkeit. Die Ankündigung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan, die Aktion „Lesestart“ künftig zu unterstützen, ist überfällig. Denn Lesen und Textverständnis darf nicht erst in der Schule begonnen werden. Vor allem Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen und mit Migrationshintergrund müssen von Anfang an gezielte Sprach- und Leseanregung bekommen. Dies auch nicht nur durch Bücher, sondern auch durch gezielte Sprachförderung in den Betreuungseinrichtungen. Auch hier müssen Bund und Länder nun dringend tätig werden und Erzieherinnen entsprechend weiterbilden und die Einrichtungen mit Personal und Materialien so ausstatten, dass jedes Kind nach seinen Möglichkeiten sprachlich optimal gefördert werden kann. Denn Sprachkompetenz ist der Schlüssel zum Bildungserfolg. Wer mit mangelnder Sprachkompetenz in die Schule kommt, wird diese auch mit schwacher Lesekompetenz verlassen. Dies wiederum kann zu einem Teufelskreis von Bildungs- und sozialer Armut führen", so der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Dr. Wolfram Hartmann.

 

Quelle: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte

Redaktion: Ilja Koschembar

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