Gesundheit

Welttag des Hörens: 32 Millionen Kinder weltweit durch Schwerhörigkeit behindert

Ein Säugling hält sich beim Arztbesuch an der Mutter fest.

Der 3. März 2016 ist Welttag des Hörens. Der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) organisierte Aktionstag hat in diesem Jahr das Schwerpunktthema "Schwerhörigkeit bei Kindern."

04.02.2016

Dr. Shelly Chadha, bei der WHO verantwortlich für den Aktionstag, unterstreicht die globale Dimension der Kinderschwerhörigkeit: "Die WHO schätzt, dass weltweit 32 Millionen Kinder an einer behindernden Schwerhörigkeit leiden."

Erfolgreiche Behandlung setzt frühzeitige Diagnose voraus

Um Hörminderungen bei Kindern frühestmöglich zu behandeln ist es erforderlich, diese möglichst schon unmittelbar nach der Geburt zu erkennen. Für die Früherkennung von Hörstörungen bei Neugeborenen ist weltweit eine Vorsorgeuntersuchung etabliert: das Neugeborenen-Hörscreening. Seit 2009 hat in Deutschland jedes Neugeborene einen Anspruch auf diese Untersuchung. Die gefahrlose und schmerzlose Untersuchung soll unbedingt bei jedem Neugeborenen durchgeführt werden.

Bei jedem auffälligen Testergebnis muss die Hörstörung durch eine Bestätigungsdiagnostik bis zum 3. Lebensmonat gesichert werden, bevor die Versorgung mit Hörgeräten und die Frühförderung bis zum 6. Lebensmonat beginnt. Bei Frühgeborenen und kranken Kindern dauern diese Untersuchungen etwas länger.

Anders als in zahlreichen anderen Staaten ist die Teilnahme an der Vorsorgeuntersuchung in Deutschland freiwillig. Prof. Dr. med. Rainer Schönweiler, Leiter der Sektion Phoniatrie und Pädaudiologie des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Leiter des Universellen Neugeborenen-Hörscreenings Schleswig-Holstein, empfiehlt allen Eltern die Teilnahme ihrer Kinder. "Die Früherkennung einer seit der Geburt bestehenden Schwerhörigkeit wendet die Folgen einer eingeschränkten Entwicklung ab, die durch zu spätes Erkennen und Behandeln eintreten."

Auch die Expertin der Weltgesundheitsorganisation, Dr. Shelly Chadha, rät zu frühestmöglichen Untersuchungen: "Viele Ursachen, die zu einem Hörverlust in der Kindheit führen, sind durch Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens vermeidbar." Man muss sie nur nutzen.

Wie erkennen Eltern, ob ein Kind eine Hörminderung hat?

Die Experten der Aktion Frühkindliches Hören empfehlen, mögliche Anzeichen einer Hörminderung anhand folgender Checklisten zu prüfen.

Anzeichen für eine Hörminderung bei Babys

  • Schreckt bei lauten Geräuschen nicht auf.
  • Dreht den Kopf nicht spätestens mit einem Alter von 6 Monaten zur Geräuschquelle.
  • Sagt nicht spätestens um den ersten Geburtstag einzelne Worte wie "Mama" oder "Papa".
  • Dreht den Kopf nicht, wenn der Name des Kindes gerufen wird. Dieses Verhalten wird oft als Unaufmerksamkeit oder absichtliches Ignorieren interpretiert, kann aber auch Anzeichen eines geringgradigen oder sogar hochgradigen Hörverlustes sein.
  • Scheint manche Geräusche wahrzunehmen, aber nicht alle.

Anzeichen für eine Hörminderung bei Kindern

  • Sprachentwicklung ist verzögert.
  • Aussprache ist undeutlich.
  • Befolgt kleine Aufträge nicht. Das wird manchmal als Unaufmerksamkeit oder absichtliches Ignorieren interpretiert, kann aber auch Symptom eines geringgradigen bis sogar hochgradigen Hörverlustes sein.
  • Sagt oft "Häh?", "Was?" oder "Wie bitte?"
  • Dreht die Laustärke des Fernsehers, Radios oder MP 3-Players zu laut auf.

Über die Aktion Frühkindliches Hören

Die Aktion Frühkindliches Hören setzt sich aus Experten verschiedener Fachorganisationen aus den Bereichen Früherkennung, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation und Frühförderung zusammen. Nach jahrelangem Einsatz ist es der Aktion Frühkindliches Hören in Kooperation mit der Deutschen Kinderhilfe und den medizinischen Fachgesellschaften gelungen, das Universelle Neugeborenen-Hörscreening (UNHS) flächendeckend in Deutschland als Pflichtuntersuchung einzuführen. Doch bei zu vielen Neugeborenen mit einem "auffälligen" Ergebnis wird die Bestätigungsdiagnostik nicht richtlinienkonform durchgeführt, damit im Bedarfsfall die nötige Hörgeräteversorgung und Frühförderung zeitgerecht beginnen. Außerdem werden die Mittel für die Frühförderung in vielen Bundesländern reduziert, so dass die Nachbehandlung in Gefahr ist. Deshalb setzt sich die Deutsche Kinderhilfe für eine bundesweite Qualitätssicherung sowie für eine bundeseinheitliche Frühförderung ein, wie sie auch in anderen Staaten mit erfolgreichen Hörscreeningprogrammen etabliert sind.

Quelle: Deutsche Kinderhilfe e.V. vom 03.02.2015

Redaktion: Kerstin Boller

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