BDKJ

Freiwilligendienste stärken statt Gemeinsinn mit einer Dienstpflicht erzwingen

Freiwilligendienste stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine und den Fachkräftemangel in der Pflege wird die Debatte um Pflichtdienste wieder aufgenommen. Der Vorsitzende des Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sieht in Pflichtdiensten keine Antwort auf drängende gesellschaftliche Fragen.

09.03.2022

Gesellschaft braucht Gemeinsinn und Solidarität, diese lassen sich aber nicht erzwingen. Laut BDKJ-Bundesvorsitzender Gregor Podschun lässt sich gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland am Besten in den Strukturen der Freiwilligendienste stärken. Wenn die Politik vorhandene Dienste stärkt, erübrigt sich die Diskussion um Pflichtdienste.

Die Debatte rund um Pflichtdienste wird aktuell als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine wieder aufgekommen. Auch in Zeiten von Fachkräftemangel im Pflegesektor werden verpflichtende Gesellschaftsjahre als Antwort auf drängende Fragen der Gesellschaft immer wieder reflexartig ins Spiel gebracht. Befürworter*innen erhoffen sich einen Beitrag gegen die Entsolidarisierung der Gesellschaft.

Pflichtdienste lösen nicht die Probleme

Jede Form eines allgemeinen Pflichtdienstes stellt einen drastischen Einschnitt in die von der Verfassung garantierten Freiheits- und Grundrechte junger Menschen dar, betont Gregor Podschun. Allerdings gäbe es aktuell keine sicherheitspolitische Ausnahmesituation, die einen solchen Einschnitt rechtfertigen würde.

Auch kann eine Dienstpflicht keine Antwort auf den Fachkräftemangel sozialer und pflegerischer Berufe oder auch in der Bundeswehr sein. Im Gegenteil, eine Verpflichtung junger Menschen wäre für die Aufwertung und Akzeptanz der Berufe in der Pflege und in den Streitkräften eher kontraproduktiv, sagt Gregor Podschun.

Anreize setzen statt verpflichten

Podschun betont außerdem, durch die vielen Freiwilligendienstleistenden werde deutlich, dass junge Menschen nicht zu sinnvollen Tätigkeiten gezwungen werden müssen. Schon heute engagieren sich über 100.000 überwiegend junge Menschen in sozialen, ökologischen oder kulturellen Bereichen in einem Freiwilligendienst. Anstatt der Dienstpflicht sollten bestehende Freiwilligendienste gestärkt und attraktiver gemacht werden. Laut Poschdun sind dafür besonders der Ausbau inklusiver Zugangsmöglichkeiten, erleichterte Anerkennung eines Freiwilligendienstes in Ausbildung und Studium und ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr wichtig, um mehr junge Menschen für einen Freiwilligendienst zu motivieren.

Die Freiwilligendienste sind ein Bildungs- und Orientierungsangebot. Zentrales Charakteristikum ist die Freiwilligkeit, auf der die Motivation zum Engagement fußt. Schon seit 2017 fordern die verbandlichen Zentralstellen der Freiwilligendienste den kostenlosen Nahverkehr für Freiwilligendienstleistende. Anfang 2020 wurde für Soldat*innen die kostenlose Fahrt mit dem ÖPNV realisiert.

Quelle: Bund der Deutschen Katholischen Jugend vom 03.03.2022

Redaktion: Johanna Fock

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