Flucht und Migration

Warum finden Jugendliche mit Migrationshintergrund seltener einen Ausbildungsplatz?

Die ISS-Studie „Resilienz und Bewältigungsstrategien von jungen Menschen mit Migrationshintergrund" bietet einen neuen Blickwinkel auf die Situation von jungen Menschen mit Migrationshintergrund und niedrigen Bildungsabschlüssen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung: Nicht die Defizite, sondern die Ressourcen stehen im Mittelpunkt.

08.12.2009

Immer noch finden Jugendliche mit Migrationshintergrund deutlich seltener einen Ausbildungsplatz: Auch drei Jahre nach dem Schulabschluss haben von den jungen Leuten mit Migrationshintergrund nur 63 Prozent eine betriebliche Ausbildung begonnen. Bei denjenigen ohne Migrationshintergrund sind es immerhin 81 Prozent. Dabei ist die bessere wirtschaftliche Integration junger Leute nicht nur mit Blick auf den demografischen Wandel eine wichtige Aufgabe von Politik und Gesellschaft.

Dafür hat das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V im Auftrag des AWO Bundesverbandes eine Studie erstellt: „Resilienz und Bewältigungsstrategien von jungen Menschen mit Migrationshintergrund". Die Studie bietet einen neuen Blickwinkel auf die Situation von jungen Menschen mit Migrationshintergrund und niedrigen Bildungsabschlüssen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung: Nicht die Defizite, sondern die Ressourcen stehen im Mittelpunkt.

Vor allem kommen die jungen Erwachsenen selbst zu Wort: Welche individuelle und institutionelle Unterstützung sie als hilfreich empfinden, wo ihrer Erfahrung nach Lücken und Handlungsbedarf bestehen und mit welchen Strategien ihnen der Übergang in eine Ausbildung gelungen ist - oder woran sie bisher gescheitert sind. Dazu wurden zwischen 2006 und 2009 mehr als 400 junge Menschen befragt.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen einen dringenden Handlungsbedarf. Viel zu viele junge Erwachsene sind ohne Ausbildung meist auf Dauer vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen und auf Sozialgeld angewiesen", betont der AWO Bundesvorsitzende Rainer Brückers. "Es kommt darauf an, insbesondere Jugendliche mit multiplen Problemen in ihren Familien und dem Umfeld besser zu unterstützen und ihre Ausbildungsplatzsuche möglichst früh durch individuelle, auf die konkrete Situation bezogene Konzepte zu fördern."

Hans-Georg Weigel, Direktor des ISS, unterstreicht: "Wichtig sind hierbei die Einbindung der Familien sowie die sensible Förderung der Unterstützungskompetenzen im Elternhaus über das Kindheitsalter hinaus. Voraussetzung dafür ist eine enge Kooperation und Vernetzung von Schule, Jugendhilfe, Berufsbildungssystemen und Wirtschaft vor Ort."

Quelle: Arbeiterwohlfahrt - Bundesverband e.V.

 

Redaktion: Ilja Koschembar

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