Bildungspolitik

Sieben-Punkte-Papier zur Reform des hessischen Schulsystems

Eine grundlegende Reform des hessischen Schulsystems fordert der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband. „Wir wollen ein Schulsystem, das Kindern aus allen gesellschaftlichen Schichten die Chance auf eine adäquate Schuldbildung und einen guten Bildungsabschluss gibt", sagte Wolfgang Werner, Vorsitzender des PARITÄTISCHEN Hessen, bei der Vorstellung des Papiers „Schule neu denken" mit sieben Eckpunkten zur Reform des hessischen Schulwesens.

29.09.2009

Der jüngste Bildungsmonitor habe erneut bestätigt, dass die soziale Herkunft eines Kindes immer noch enormen Einfluss auf dessen Bildungserfolg habe, betonte Werner. Das weitgehend staatliche Bildungsmonopol sei offenbar nicht in der Lage, Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit zu garantieren. „Unser derzeitiges Schulsystem ist auslese- statt förderorientiert. Kinder werden zu früh in Schultypen einsortiert und zu wenig individuell gefördert. Das dreigliedrige Schulsystem und die geringe Durchlässigkeit zwischen den Schultypen verschärfen die Selektion", so Werner. „Das kann unsere Gesellschaft nicht länger akzeptieren. Wir müssen in der Schulpolitik grundsätzlich umsteuern."

Der PARITÄTISCHE fordert, die staatlichen Schulen aus ihren zentralistischen Verwaltungsstrukturen herauszulösen und in eine rechtlich eigenständige, freigemeinnützige und nicht kommerzielle Trägerschaft zu überführen. „Um den individuellen Lern- und Bildungsansprüchen von Schülerinnen und Schülern entsprechen zu können, müssen die Schulen eigenständige konzeptionelle und organisatorische Entscheidungen treffen können", betonte Werner. Die Bildungsverwaltung solle weiterhin für die Formulierung der Bildungsziele beziehungsweise der Bildungsstandards verantwortlich bleiben und deren Einhaltung kontrollieren.

Wie diese Ziele erreicht und Bildungsinhalte vermittelt werden, solle die einzelne Schule jedoch für sich entscheiden können. Dafür bräuchten die Schulen sowohl größtmögliche didaktische Freiräume als auch Budget- und Personalhoheit. Dies erfordere auch eine grundlegende Veränderung der Anstellungs- und Beschäftigungsverhältnisse von Lehrerinnen und Lehrern. Anders als die hessische Landesregierung spricht sich der PARITÄTISCHE daher dafür aus, den Beamtenstatus aufzugeben.

Darüber hinaus engagiert sich der Wohlfahrtsverband für die Einführung der verbindlichen Ganztagsschule als Regelangebot, um eine verbesserte Förderung der Kinder und eine größere Unabhängigkeit vom Bildungsgrad des Elternhauses zu erreichen.

Der PARITÄTISCHE fordert zudem eine stärkere Einbindung der Schulen in ihr soziales Umfeld und eine bessere Vernetzung mit Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe, der Jugendsozialarbeit und anderen außerschulischen Kooperationspartnern. Schülerinnen, Schüler und Eltern müssten zudem mehr demokratische Mitwirkungsrechte bei der Gestaltung eines bedarfsorientierten schulischen Angebots erhalten.

Zur Umsetzung von Bildungsgerechtigkeit gehört für den PARITÄTISCHEN auch, dass freie Schulen gemeinnütziger Träger die gleiche Finanzierung erhalten wie staatliche Schulen.

Werner kritisierte, die hessische Landesregierung gebe der Schulpolitik nicht die notwendige Priorität. „Von einem Aufbruch für die Schulen ist nach der Arbeitsaufnahme der neuen Koalitionsregierung nichts zu spüren." Kultusministerin Dorothea Henzler sei zwar mit dem programmatischen Ziel angetreten, die Selbständigkeit und Selbstverwaltung der Schulen zu fördern, lasse aber die konsequenterweise notwendigen Schritte vermissen. 

Mehr Informationen: http://www.paritaet-hessen.org/fileadmin/dokumente/pdf/schule/Thesenpapier_Schule_5.pdf

Quelle: Der PARITÄTISCHE Landesverband Hessen e.V.

 

Redaktion: Ilja Koschembar

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