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Jugendkulturen von innen betrachten - Datenbank des Archivs der Jugendkulturen

Archiv der Jugendkulturen e.V.

Strukturebene: Bund

Um über Jugendkulturen tatsächlich etwas aussagen zu können, kommt man an der Beschäftigung mit ihren Fanzines nicht vorbei. Sie stellen die Sprachrohre jugendlicher Subkulturen dar. Das Wort „Fanzine“ setzt sich aus den englischen Begriffen „fan“ und „magazine“ zusammen. Das macht bereits klar, worum es sich dabei dreht: Um ein Magazin von Fans für Fans. Bei einem klassischen Fanzine handelt es sich um ein kopiertes Heft, das selbstverlegt wird, meist eine geringe Auflage von wenigen hundert Stück hat und dessen Verkaufspreis gerade einmal die Kosten deckt. Es dient der szeneinternen Diskussion und aufgrund seines persönlichen Charakters oft auch als Medium zur Selbstdarstellung seiner Herausgeber.

 

Seit seinen Anfängen hat das Archiv der Jugendkulturen etwa 12.000 Fanzines zusammengetragen. Es besitzt damit die größte öffentlich zugängliche Sammlung dieser Underground-Zeitschriften in Deutschland. Sein Bestand umfasst Fanzines von den 70er Jahren bis heute, u.a. aus den Bereichen Punk, Skinheads, Dark Wave, Science Fiction, Fantasy, Independent, Techno und Heavy Metal. Bislang war die Arbeit mit Fanzines schwierig. Den Heften fehlt nicht selten ein Impressum oder Inhaltsverzeichnis und oft sind nicht einmal Herausgeber, Erscheinungsjahr und Ort bekannt, an dem es veröffentlicht wurde. Die Suche nach bestimmten Themen war deshalb extrem zeitaufwendig und nervenaufreibend. Ein Grund dafür, warum sich Forscher und Journalisten bei ihren Recherchen bisher kaum auf Fanzines gestützt haben.

 

Um seinen Nutzern den Zugang zu dieser „Guerilla-Literatur“ zu vereinfachen, arbeitet das Archiv der Jugendkulturen seit Beginn diesen Jahres mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes an der inhaltlichen und formalen Erfassung seines Fanzine-Bestands in einer elektronischen Datenbank. 2.500 Fanzines können bereits online über die Homepage des Archivs abgerufen werden. In der Internetdatenbank kann nach Titel, Erscheinungsjahr, Schlagwort und Autor recherchiert werden. So wird auch die Suche nach speziellen Themen möglich, die bislang noch kaum bearbeitet worden sind: „Das Bild der DDR-Punk-Szene der 80er Jahre in den Szeneberichten westdeutscher Fanzines“, „Die Diskussion innerhalb der Skinheadszene zu den Pogromen in Rostock 1992“, „Die szeneinterne Auseinandersetzung mit rechtsradikalen Tendenzen in der Dark Wave-Szene“, „Die Wahrnehmung von Frauen in der Heavy Metal-Szene“ sind nur einige wenige denkbare Felder, die sich dabei eröffnen. Mit der Recherche in seiner Datenbank bietet das Archiv der Jugendkulturen einen in Europa einmaligen Service an. Es schafft damit die Möglichkeit, über die bisherige journalistische und wissenschaftliche Arbeit hinaus, Jugendkulturen von innen zu betrachten und zu verstehen.

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