Bildungspolitik

Wohnungsnot in deutschen Hochschulstädten: Immer mehr Studenten quartieren sich vorübergehend in Jugendherbergen ein

Bielefeld (ots) - In Deutschland quartieren sich immer mehr Studenten vorübergehend in Jugendherbergen ein. Der Grund: Akute Wohnungsnot in vielen Hochschulstädten. Das berichtet das Bielefelder Westfalen-Blatt in seiner heutigen Ausgabe.

20.03.2012

Studierende blieben bis zu vier Wochen in den Herbergen, sagte der Sprecher des Deutschen Jugendherbergswerkes (Detmold), Knut Dinter, der Zeitung. Der durchschnittliche Aufenthalt betrage zehn Tage. In Paderborn würden auch Studenten aus Indien und Pakistan in der Jugendherberge eine Bleibe suchen. Vielfach werde das Zimmer per Anruf aus dem Heimatland gebucht. Weitere Beispiele seien Bielefeld, Detmold, Leipzig, Tübingen, Potsdam und Kiel wo Studenten für einige Zeit in Herbergen übernachteten. Die Studenten würden vor allem das günstige Mehrbettzimmer in Kauf nehmen, sagte Dinter. Kontingente speziell für Studienanfänger gebe es aber noch nicht. Es würden die üblichen Kosten berechnet. Wie zum Beispiel in Kiel 19,50 Euro inklusive Frühstück und Bettwäsche pro Nacht. In Kiel seien es bisweilen 20 deutsche und ausländische Studenten gewesen, die in der Jugendherberge bis zu zehn Tage ein Quartier gebucht hätten. Inzwischen kümmere sich in Kiel das Akademische Auslandsamt um die ausländischen Studienanfänger, sagte Dinter dem Westfalen-Blatt. Studenten seien als Gäste genauso willkommen wie andere, die individuell oder mit einer Gruppe in Jugendherbergen übernachteten. Voraussetzung sei eine Mitgliedskarte. Die Kosten pro Jahr für junge Menschen bis 26 Jahre betragen 12,50 Euro. Das Jugendherbergswerk wirbt im Internet offensiv um Erstsemester als Gäste: »Wer noch keine eigene Bude hat, kann vorübergehend die Jugendherbergen nutzen.« Dass der Trend bei Studenten zum günstigen Herbergsbett geht, bestätigte auch Herbergsvater Carl Swoboda, der für die Jugendherbergen Höxter, Bad Driburg im Kreis Höxter sowie Horn (Kreis Lippe) zuständig ist. In Höxter liegt die Jugendberge in direkter Nähe zur Fachhochschule. Und somit seien es bis zu 30 Studenten, die hier einen Aufenthalt buchten, um zum Beispiel ein Schnupperstudium zu absolvieren oder um Kurse vor dem regulären Semesterbeginn zu belegen. Die meisten Belegungen gebe es zu Beginn des Wintersemesters, da die Preise in der Nachsaison günstig seien. Und wär länger als eine Woche bleibe, bekomme Rabatt. Swoboda sagte dem Westfalen-Blatt: »An den Hochschulen wird bereits publik gemacht, dass es in Jugendherbergen freie Betten für Studenten gibt.« Der günstige Preis beinhalte aber auch, dass die Gäste das Geschirr abräumten, Betten machten sowie Stubendienst übernehmen müssten. In der Vor- und Nachsaison kostet der Aufenthalt in Höxter 16,50 Euro und im Sommer 19,10 Euro. Da die Suche nach einer geeigneten Studentenbude einige Zeit in Anspruch nimmt, nähmen Studenten selbst eine Anfahrt von mehr als 20 Kilometern in Kauf, würden in Paderborn studieren und in der Herberge Bad Driburg wohnen. Viele ausländische Studenten würden auch in der Jugendherberge in Detmold übernachten, sagte Swoboda. An der Hochschule für Musik in Detmold sei das Publikum ohnehin international. Helga Fels von der Arbeitsgemeinschaft der Studentenwerke NRW mit Sitz in Bielefeld, bezeichnete es als Phänomen, dass vor allem zum Wintersemester viele Erstsemester, wenn sie zum Beispiel eine späte Zusage für den Studienort bekommen hätten, zunächst in einer Jugendherberge unterkommen. Preiswerter Wohnraum sei knapp, sagte Fels der Zeitung. Eine angespannte Situation herrsche vor allem in Köln und Düsseldorf. 2011 habe man aufgrund der hohen Anmeldezahlen in Münster und Siegen Notquartiere für Studenten anmieten müssen. Nach den Rekordanmeldungen im vergangenen Wintersemester (plus 22,3 Prozent), geht Fels davon aus, dass sich in diesem Jahr zum Wintersemester 2012/13 die Zahl der Studenten mindestens nochmals um zehn Prozent erhöht. Und wenn 2013 zwei Abiturjahrgänge an die Unis drängten, werde die Wohnungsnot noch größer. Für Studenten stünden in Nordrhein-Westfalen 49 116 Wohnplätze zur Verfügung. Allein 37 100 würden von den Studentenwerken angeboten, die übrigens seien mit öffentlichen Geldern geförderte Wohnanlagen. Derzeit würden bereits 2000 zusätzliche Wohnplätze benötigt.

Quelle: Westfalen-Blatt

Redaktion: Ilja Koschembar

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