Flucht und Migration

Saarland: Sofortprogramm zur Förderung von Flüchtlingskindern

Eine Fingergebärde

Bildungsminister Commerçon hat eine positive Bilanz bei der Umsetzung des im Dezember 2014 gestarteten Sofortprogramms zur Bildung und Förderung von Flüchtlingskindern an saarländischen Schulen gezogen. Zugleich machte er deutlich, dass bei anhaltendem Zuzug von Flüchtlingen weitere Anstrengungen erforderlich sind.

03.06.2015

"Vor Ort gibt es ein großartiges Engagement aller beteiligten Akteure bei der Betreuung und Unterrichtung von minderjährigen Flüchtlingen. Viele Flüchtlingskinder sind hoch motiviert", betont Bildungsminister Ulrich Commerçon.

Über das Sofortprogramm hatte das Bildungsministerium aus bis dahin nicht verausgabten Haushaltsmitteln zusätzlich rd. 1 Million Euro für die Ausweitung bestehender Sprachförderprogramme zur Verfügung gestellt. Zur Abdeckung von zusätzlichem Lehrerbedarf wurden kurzfristig 25 weitere Lehrkräfte eingestellt, die Deutsch als Fremdsprache bzw. Deutsch oder Fremdsprachen studiert haben. Bei der Neueinstellung von Lehrkräften wird derzeit grundsätzlich die Qualifikation im Bereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Deutsch als Fremdsprache abgefragt, um den Bedarf auch mittelfristig abdecken zu können. In Kooperation mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien wurden die Qualifikationsmaßnahmen für Lehrerinnen und Lehrer verstärkt.

"Sollte sich zeigen, dass die Zuwanderung bzw. Zuweisung von Flüchtlingen weiter auf dem Niveau des Vorjahres verbleibt oder sogar ansteigen sollte, müssen wir neu denken und über zusätzliche Mittel reden", so der Minister. "Bereits jetzt sind die über das Sofortprogramm zusätzlich zur Verfügung gestellten Kapazitäten vielerorts ausgeschöpft." Das Bildungsministerium rechnet in der Kalkulation für das Haushaltsjahr 2016 mit einem Mehrbedarf von über einer Million Euro. Auch die geplante Umschichtung von Lehrerstellen müsse an die Entwicklung angepasst werden.

Im Rahmen seiner Informationsbesuche hat sich Bildungsminister Commerçon in den letzten Wochen ein Bild von der Situation an den Schulstandorten gemacht: "Die Umsetzung des Sofortprogramms läuft gut. Vor Ort gibt es ein großartiges Engagement aller beteiligten Akteure bei der Betreuung und Unterrichtung von minderjährigen Flüchtlingen. Viele Flüchtlingskinder sind hoch motiviert. Es zeigt sich aber auch, dass wir bei anhaltender Zuwanderung entsprechende Angebote in ausreichender Kapazität bereitstellen müssen, wenn die Situation an den Schulen sowohl für die betroffenen Kinder und Jugendlichen wie auch für das Lehrpersonal erträglich bleiben soll."

In den "Kernprogrammen" zur Sprachförderung an saarländischen Schulen arbeitet das Ministerium für Bildung und Kultur mit dem Paritätischen Bildungswerk (PBW) zusammen. Dies betrifft die Programme "Früh Deutsch lernen" und "Sprachförderung in der Sekundarstufe I". Beide Programme wurden über das Sofortprogramm erweitert.

Früh Deutsch lernen

"Früh Deutsch lernen" (FDL) fördert Kinder ohne oder mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Dies bezieht sich auf das letzte Halbjahr des Kindergartens und das erste Halbjahr der 1. Klassen an der Grundschule. Im Schuleingangsbereich FDL sind derzeit 80 Sprachförderlehrkräfte mit 1.457,5 Wochenstunden tätig. Dies entspricht einem Stellenanteil von rd. 52 Vollzeitlehrerstellen und einem Stundenanteil der dort beschäftigten Sprachförderlehrkräfte von jeweils 18,21 Wochenstunden.

Die Sprachförderlehrkräfte führen 168 Kurse an 125 Schulen und 10 Kitas durch. Gefördert werden landesweit 1.433 Kinder. Darunter sind auch deutsche Kinder, die sich vor und beim Übergang vom Kindergarten in die Schule befinden. Erfasst werden alle Kinder mit einem Sprachförderbedarf. In der Regel werden 3 bis 4 Kindertageseinrichtungen des jeweiligen Schuleinzugsbereiches betreut, sodass von einem flächendeckenden Angebot gesprochen werden kann.

Sprachförderprogramm an allgemeinbildenden Schulen

Auch an den weiterführenden Schulen sind Sprachförderlehrkräfte des PBW im Einsatz, um junge Flüchtlinge beim Erwerb der deutschen Sprache zu unterstützen. Schon heute übersteigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in der deutschen Sprache die Kapazität der Förderlehrkräfte. In der Sekundarstufe I sind derzeit 46 Sprachförderlehrkräfte mit 907 LWS tätig. Dies entspricht einem Stellenanteil von 32,4 Vollzeitlehrerstellen und einem Stundenanteil der beschäftigten Sprachförderlehrkräfte von jeweils 19,71 Wochenstunden. Das Programm ist an 55 Gemeinschaftsschulen aktiv. Gefördert werden landesweit rd. 1.400 Schülerinnen und Schüler.

Die ausführliche Pressemitteilung des Ministeriums für Bildung und Kultur mit detaillierten Informationen zum Sofortprogramm zur Bildung und Förderung von Flüchtlingskindern, inklusive der Auflistung einzelner Module der Sprachförderung, ist einzusehen unter: <link http: www.saarland.de external-link-new-window des ministeriums für bildung und kultur saarland mit der ausführlichen>www.saarland.de/6767_128588.htm

Quelle: Ministerium für Bildung und Kultur Saarland vom 02.06.2015

Redaktion: Nadine Heßdörfer

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