Qualifizierung

Neues Weiterbildungsstudium an der KSFH: Internationales Brückenseminar Soziale Arbeit Bayern

Claudia Mayer

Claudia Mayer, Referentin für die Einführung des "Internationalen Brückenseminars Soziale Arbeit Bayern".

Die Katholische Stiftungsfachhochschule München (KSFH) bietet am IF (Institut für Fort- und Weiterbildung, Forschung und Entwicklung) ein neues Weiterbildungsstudium an. Um welches Bildungsformat es sich handelt, für wen es sich eignet und wie es aufgebaut ist berichtet Referentin Claudia Mayer im Interview.

29.04.2015

Die Katholische Stiftungsfachhochschule München (KSFH) bietet am IF (Institut für Fort- und Weiterbildung, Forschung und Entwicklung) ein neues Weiterbildungsstudium an: das Internationale Brückenseminar Soziale Arbeit Bayern. Gefördert von der Landeshauptstadt München ist sie hiermit die erste Hochschule in Deutschland mit einem eigenen Studium in der Sozialen Arbeit, das sich explizit an Sozialpädagogen richtet, die ihren Studienabschluss nicht in Deutschland gemacht haben. Claudia Mayer, die als Referentin die Einführung des Brückenseminars koordiniert und begleitet, berichtet im Interview mit <link http: www.ksfh.de presse hochschulzeitung-ksfh-info _blank external-link-new-window der>ksfhinfo über das Format.

Seit wann gibt es das "Internationale Brückenseminar Soziale Arbeit Bayern" und welche Qualifikation verbirgt sich dahinter?

Claudia Mayer: Das Weiterbildungsstudium Internationales Brückenseminar Soziale Arbeit Bayern gibt es seit September 2014 an unserer Hochschule. Angeboten vom IF, richtet es sich an Sozialpädagogen mit einem ausländischen Studienabschluss in Sozialer Arbeit, die in Bayern die staatliche Anerkennung ihres Abschluss erreichen möchten. Dazu werden von der staatlichen Anerkennungsstelle für Sozial- und Kindheitspädagogen in Würzburg die Abschlüsse geprüft und festgestellt, welche Qualifikation vorliegt und ob wesentliche Unterschiede zum hiesigen Studium bestehen.

Der erforderliche Ausgleich kann dann durch einen Anpassungslehrgang, den die KSFH als Internationales Brückenseminar Soziale Arbeit Bayern in Abstimmung mit der Landesdekanekonferenz Sozialwesen und der bayerischen Sozial- und Wissenschaftsverwaltung entwickelt hat, ausgeglichen werden. Das Brückenseminar ist zugleich ein "Anpassungslehrgang nach BaySoz-KiPädG".

Was bedeutet das?

Claudia Mayer: Die Rahmenbedingungen für die staatliche Anerkennung von ausländischen Qualifikationen im Fach Soziale Arbeit sind gesetzlich durch das Bayerische Sozial- und Kindheitspädagogengesetz, kurz BaySozKiPädG, geregelt. Wer die darin beschriebenen Schwerpunkte im Studium an einer ausländischen Hochschule nicht nachweisen kann, kann entweder einen Anpassungslehrgang absolvieren oder an einer Eignungsprüfung teilnehmen, um die staatliche Anerkennung des eigenen Abschlusses in Bayern zu erlangen.

Vor der Inkraftsetzung des BaySozKiPädGwar es für Migrantinnen und Migranten enorm schwierig, für ihren Abschluss in Sozialer Arbeit eine staatliche Anerkennung zu bekommen. Es gab weder eine gesetzliche Regelung noch entsprechende Maßnahmen. Mit dem Bayerischen Sozial- und Kindheitspädagogengesetz und dem Start des Internationalen Brückenseminars Soziale Arbeit Bayern haben ausländische Sozialpädagogen nun die Möglichkeit, dass ihre langjährigen Studien und ihre Qualifikationen anerkannt werden. Die Chancen auf einen Arbeitsplatz, der ihrer sozialpädagogischen Qualifikation entspricht und entsprechend vergütet wird, sind ausgezeichnet.

An wen richtet sich das Weiterbildungsstudium in der Hauptsache?

Claudia Mayer: Es richtet sich vor allem an Akademiker mit einem ausländischen Hochschulabschluss im Fach Soziale Arbeit – in der Mehrheit sind dies Migrantinnen und Migranten, die zugewandert sind. Gleichwohl betrifft die Anerkennung des Abschlusses auch Muttersprachler aus Deutschland, die an ausländischen Hochschulen studiert haben. Die Herkunft der Teilnehmer spielt bei der Teilnahme am Brückenseminar keine Rolle, wichtigste Zulassungsvoraussetzung ist der im Ausland erworbene Hochschulabschluss in Sozialer Arbeit. Das Brückenseminar wird von der Landeshauptstadt München gefördert.

Warum und inwiefern beteiligt sich München an dem Weiterbildungsstudium?

Claudia Mayer: Der Pilotkurs Internationales Brückenseminar Soziale Arbeit Bayern läuft seit September 2014. Die Landeshauptstadt München beteiligt sich an der Finanzierung und will damit die Realisierung dieses innovativen Studienangebots, das sich durch eine Kombination von fachlicher und sprachlicher Qualifizierung auszeichnet, anschieben. Integriert in das fachliche Studienangebot sind auch fachsprachliche Einheiten, die in Kooperation mit der Münchener Volkshochschule durchgeführt werden. München sieht auf der einen Seite hochqualifizierte Sozialpädagogen, die wegen der fehlenden Anerkennung auf niederqualifizierten Stellen arbeiten müssen, gleichzeitig betrifft sie der Fachkräftemangel vor allem auch im sozialpädagogischen Bereich.

Daneben gibt es spezielle Arbeitsfelder – Arbeit im Bereich der Flüchtlingsproblematik und bei den Themen Migration, Integration, Inklusion – für die in besonderer Weise Sozialpädagogen mit Migrationshintergrund gesucht werden. So hat die Landeshauptstadt auch ein lokales Interesse daran, den Teilnehmern die staatliche Anerkennung zu ermöglichen. Die Förderung ist auf ein Jahr begrenzt, die Folgefinanzierung erfolgt aus Mitteln des Europäischen Sozialfond (ESF), die im Rahmen eines vierjährigen Projekts von Juli 2015 bis 2018 geplant ist. Mit der Förderung durch den ESF verbreitert sich auch der Wirkungsbereich des Internationalen Brückenseminars. Ab Herbst gibt es nicht nur Seminartage in München, sondern auch in Nürnberg, um die Teilnahme von nordbayrischen Interessenten zu erleichtern. Ziel des Projektes ist die Überführung in eine Festfinanzierung und damit das Brückenseminar der KSFH in ganz Bayern zu etablieren.

Welche Vorteile bringt das Brückenseminar den Studierenden? Inwiefern wirkt es sich positiv auf die Berufsqualifizierung aus?

Claudia Mayer: Durch das Internationale Brückenseminar Soziale Arbeit Bayern haben die Studierenden nun einerseits die Möglichkeit, die staatliche Anerkennung zu erhalten, andererseits erhalten sie auch eine ideale Vorbereitung auf das sozialpädagogische Arbeitsfeld in Bayern. Diejenigen Studieninhalte, die in ihrem bisherigen Studium nicht vorkamen, werden nun nachgeholt.

Was sind die Studieninhalte?

Claudia Mayer: Das Weiterbildungsstudium ist modularisiert aufgebaut; Umfang und Dauer des Brückenseminars richten sich so nach den individuellen Bedarfen der Studierenden. Im Praxismodul findet die Begleitung der Studierenden mittels Praxisseminar und Supervision (mit 12 Seminartagen) parallel zu einem 100-tägigen begleiteten sozialpädagogischen Praktikum statt. Ziel ist es, berufliches Handeln durch Beteiligung am Arbeitsablauf der Ausbildungsstelle zu erlernen und einzuüben, sowie Reflexionsfähigkeit und Methodenkompetenz zu fördern. Im Professionsmodul mit einem Umfang von 12 Seminartagen wird den Studierenden die Kompetenz vermittelt, ethische Anliegen der Sozialen Arbeit zu erfassen und in das berufliche Handeln einzuordnen.

Daneben gilt es, die Wissenschafts- und Professionstheorie Sozialer Arbeit in Deutschland kennenzulernen. Im Modul "Recht und Verwaltung" mit einem zeitlichen Umfang von 24 Studientagen werden die erforderlichen Rechts- und Verwaltungskenntnisse – etwa im Bereich des Familien-, Kinder- und Jugendhilferechts – vermittelt. Das Steuerungsmodul umfasst 12 Studientage mit dem Ziel, Wissen über sozialpolitische Grundlagen, die Organisation und Finanzierung der Wohlfahrtspflege und der Organisation der Sozialen Arbeit im nationalen Kontext zu vermitteln. Im bezugswissenschaftlichen Modul können die Studierenden Ausgleichsbedarfe im Bereich der Bezugswissenschaften, vor allem der Pädagogik, abdecken. Da in der Sozialen Arbeit die fachsprachliche Qualifikation, wie etwa im Rahmen von Dokumentation, verwaltungstechnischen Abläufen oder bei der Erstellung von sozialpädagogischen Gutachten, essentiell ist, um professionell zu arbeiten, sind fachbezogene Deutsch-Einheiten ein wichtiger Bestandteil des Brückenseminars.

Die Fachlehrer der Volkshochschule München unterstützen die Studierenden beim Erstellen von Berichten und Präsentationen und beim Bearbeiten von Fachtexten, wie z. B. bei Gesetzestexte, Konzepten, etc. Die fachsprachlichen Bestandteile der jeweilige Module umfassen etwa ein Sechstel der Seminartage und werden in Absprache mit den jeweiligen Fachdozierenden, teilweise auch in Form von Teamteaching gemeinsam von Fachsprachlehrerinnen und Fachdozierenden durchgeführt. Das Brückenseminar ist als ein zweisemestriges Studium aufgebaut, bei einer vollen Teilnahme umfasst es ein 100tägiges Vollzeitpraktikum und mehr als 60 Seminartage.

Das Interview ist mit freundlicher Genehmigung der Hochschulzeitung KSFH Info der Katholischen Stiftungsfachhochschule München entnommen.

Redaktion: Svenja Karrenstein

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