Jugendsozialarbeit

Modellprogramm STAR in Bonn gestartet: Bessere Berufschancen für Jugendliche mit Handicap

Um mehr jungen Leuten mit Behinderung eine berufliche Perspektive auf dem ersten Arbeitsmarkt zu geben, haben das Land Nordrhein-Westfalen und die Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) in Kooperation mit der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit das Modellprojekt "Schule trifft Arbeitswelt", kurz STAR, gestartet.

01.03.2010

Köln / Bonn. 01. März 2010. Katharina Stünkel hat ihn geschafft: den Einstieg in den Beruf. Die anerkannt schwerbehinderte Abgängerin einer Bonner Förderschule mit den Schwerpunkten Lernen und Sprache ist seit Juli 2009 fest angestellt in der Hauswirtschaftsabteilung des Seniorenheims Vecura in Bonn. Die heute 21-Jährige hatte zunächst in einem Praktikum Vorgesetzte und Kollegen von ihren Stärken überzeugt: "Katharina passt ins Team und die Arbeit passt zu ihr. Sie arbeitet gern und mit Engagement", berichtet die Hauswirtschaftsleiterin Stefanie Musolf. Den Kontakt stellte der örtliche Integrationsfachdienst her und organisierte auch ein vom LVR-finanziertes Job-Coaching, um Katharina Stünkels anfängliche Unsicherheiten bei manchen Tätigkeiten und bei Stress zu beheben.

Ziel des Projekts ist es, Jugendliche mit Behinderung schon ab der 8. Klasse individuell durch Fallmanager begleiten und beraten zu lassen, um die Chancen zu erhöhen auf einen erfolgreichen Übergang von der (Förder-)Schule in den Beruf. Gleichzeitig sollen die Kooperationsstrukturen der verschiedenen beteiligten Stellen in Schule, Wirtschaft und Arbeitsagentur verbessert werden. In vier nordrhein-westfälischen Modellregionen werden zunächst Maßnahmen und Instrumente entwickelt und erprobt: in Bonn/Rhein-Sieg, Mönchengladbach/Neuss, Bochum/Herne und Siegen-Wittgenstein/Olpe. In Bonn fand heute die offizielle Auftakt-Veranstaltung statt mit Informationen für Schulen, Eltern, Jugendliche und Arbeitgeber.

"Kernpunkte des Projektes sind die Einführung einer verbindlichen Berufswegeplanung und die frühzeitige, individuelle Betreuung", erläuterte die LVR-Sozialdezernentin Martina Hoffmann-Badache: "Jugendliche mit Behinderung sollen die Chance erhalten, in Praktika Erfahrungen in Unternehmen zu sammeln und ihre Leistungsbereitschaft und -fähigkeit unter Beweis zu stellen. Nach unserer Erfahrungen gelingt über solche persönlichen Kontakte am ehesten der Einstieg in Berufstätigkeit oder Ausbildung." Land und Landschaftsverbänden gehe es darum, den "Automatismus zu beenden, der noch viel zu viele Jugendliche mit Behinderung in die Werkstatt für behinderte Menschen führt", so Hoffmann-Badache. 

In der Modellregion Bonn / Rhein-Sieg-Kreis wendet sich STAR an schwerbehinderte Schülerinnen und Schüler der Abschlussstufen von insgesamt sieben Förderschulen sowie die Jugendlichen mit Handicap, die im "gemeinsamen Unterricht" an allgemeinen Schulen unterrichtet werden. Rheinlandweit gehen die Projektpartner von jährlich ca. 2000 Abgangsschülern allein von Förderschulen aus, zuzüglich der Jugendlichen mit Behinderung aus den Regelschulen.  

Durchgeführt wird die Beratung und Begleitung der Jugendlichen durch Fachberater der vom LVR finanzierten Integrationsfachdienste (IFD). Sie gibt es in jedem Arbeitsagenturbezirk. Der IFD berät Arbeitgeber und behinderte Menschen bei allen Fragen rund um den Beruf und vermittelt auch schwerbehinderte Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt. 

Das Programm STAR wird vom nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds mit 900.000 Euro für die erste Projektphase von 20 Monaten finanziert. Die gleiche Summe teilen sich die beiden Landschaftsverbände LVR und LWL, die auch die Trägerschaft des Projekts übernommen haben. Die Landschaftsverbände finanzieren das Programm aus Mitteln der Ausgleichsabgabe. 

Herausgeber: Landschaftsverband Rheinland - Landesjugendamt

Redaktion: Ilja Koschembar

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