Gesundheit

Kinder und Schwangere in Europa: oft nur eingeschränkter Zugang zu Gesundheitsversorgung

Ärzte der Welt hat seine jährlich erscheinende Studie vorgestellt, die den Zugang zur Gesundheitsversorgung für Menschen am Rande der Gesellschaft in Europa untersucht. Sie zeigt: Mehr als die Hälfte der befragten schwangeren Frauen hatte keinen Zugang zu Geburtsvorsorge - ein hohes Risiko für die Gesundheit von Müttern und Kindern.

20.05.2015

Nur ein Drittel (34,5 Prozent) der Kinder, die in den Polikliniken von "Ärzte der Welt" behandelt wurden, war gegen Mumps, Masern und Röteln geimpft und lediglich 42,5 Prozent gegen Tetanus. Die große Mehrheit der Patienten (91,3 Prozent) lebte unterhalb der Armutsgrenze. Knapp 85 Prozent hatten Gewalterfahrung, ein Zehntel erlebte Gewalt nach der Ankunft in Europa.

Anzahl der deutschen Patient(inn)en um 40 Prozent gestiegen
Für Deutschland ergibt sich laut der Studie folgendes Bild: 73 Prozent der Patient(inn)en, die bei open.med, der Anlaufstelle von Ärzte der Welt in München behandelt wurden, hatten keine Krankenversicherung und daher nur Zugang zu einer Notfallversorgung. Im Jahr davor lag diese Zahl noch bei 68,6 Prozent. Gesundheitliche Probleme, die vor dem Besuch in der Anlaufstelle in München nicht behandelt worden waren, hatten 82,9 Prozent der Patient(inn)en. 84,3 Prozent der Behandlungen stuften die Ärzte bei open.med als "dringend notwendig" ein.

28,4 Prozent aller Untersuchungen erfolgten aufgrund einer Schwangerschaft. Diese Patientinnen hatten zuvor keinen Zugang zu Geburtsvorsorge und keinen Kostenträger für die Entbindung. Acht Prozent waren Minderjährige und hatte keine Möglichkeit, die kinderärztlichen U-Untersuchungen durchführen oder sich impfen zu lassen.

Der Anteil der deutschen Patient(inn)en ist zwischen 2013 und 2014 um 40 Prozent gestiegen (von 11,7 auf 16,5 Prozent) und bildete damit die zweitgrößte Patientengruppe bei open.med. Die meisten Kranken kamen aus Bulgarien, die drittgrößte Gruppe aus Rumänien. 29,1 Prozent der Patient(inn)en sind EU-Bürger, die länger als drei Monate in Deutschland wohnen, ohne ausreichendes Einkommen und ohne Krankenversicherung.

92,6 Prozent aller Patient(inn)en leben unterhalb der Armutsgrenze. Ein gutes Viertel der Befragten glaubt, dass die Wohnsituation ihren Gesundheitszustand beeinträchtigt, da nur die Hälfte in stabilen Wohnverhältnissen lebt.

Die Studie kann in englischer Sprache unter folgendem Link heruntergeladen werden: <link http: www.aerztederwelt.org eu_bericht_2015 _blank external-link-new-window Ärzte der>www.aerztederwelt.org/EU_Bericht_2015.

Quelle: Ärzte der Welt e.V. vom 18.05.2015.

Redaktion: Svenja Karrenstein

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