Kinder- und Jugendschutz

„Kinder-Influencer wirken wie gute Freunde“ – Gutachten zu Kaufaufrufen in sozialen Medien

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Mit direkten Kaufaufrufen an Kinder und Jugendliche in sozialen Medien beschäftigt sich ein kommunikationswissenschaftliches Gutachten, dass die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) in Auftrag gegeben hat. Das Gremium reagiert damit auf die verstärkte Kommerzialisierung von Plattformen und die damit einhergehende werbliche Ansprache von jungen Zielgruppen.

07.11.2017

„Mileys Welt“, „PatDIYLee“ und „Family Stories – Familie Hause“ sind nur einige Beispiele für beliebte YouTube-Kanäle, die sich speziell an Kinder richten. Die Darsteller in den Videos sind häufig selber noch Kinder. Sie wirken authentisch und nahbar auf ihre jungen Zuschauer. Ähnlich der großen Vorbilder der Dagis und Bibis drehen sich die Videos häufig um Produkte.

Als „Kinder-Influencer“ präsentieren sie Spielzeug, Kosmetik sowie Süßigkeiten und erreichen mit ihren Videos Millionen von Usern. Die KJM-Vorsitzende Cornelia Holsten erklärt: „Kinder-Influencer wirken wie gute Freunde, die einem vermeintlich ebenso gut gemeinte Ratschläge und Hinweise geben. Daher sind junge Menschen für die Kaufempfehlungen ihrer Idole so empfänglich.“

Kaufaufrufe auf Kinderkanälen verboten

Fakt ist: Auf Kinderkanälen sind direkte Kaufaufrufe gesetzlich verboten. Entsprechend § 6 des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags darf die Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit von Kindern und Jugendlichen in keiner Weise ausgenutzt werden. Doch halten sich die Betreiber der Kanäle an das Verbot?

Um die Problematik wissenschaftlich zu untersuchen, hat die KJM die Einholung eines Gutachtens bezüglich direkter Kaufappelle an Kinder und Jugendlichen beschlossen. Es soll überprüft werden, ob und wie häufig durch direkte Kaufaufrufe, die Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit von Kindern und Jugendlichen ausgenutzt werden. Werden Kinder und Jugendliche unmittelbar aufgefordert, ihre Eltern oder Dritte zum Kauf von beworbenen Waren oder Dienstleistungen zu bewegen?

Kinder als Identifikationsfigur

Auf YouTube, Instagram und Co. werden Kinder als Identifikationsfigur für Kinder als Darsteller von teilweise werblichen Kanälen eingesetzt. Die suggerierte Authentizität und Nähe zu ihren Fans kann dabei gezielt genutzt und manipuliert werden. Mit Hilfe des Gutachtens wird die KJM wissenschaftliche Daten erheben können, um den Trend in seinen Dimensionen besser zu beurteilen und Kinder und Jugendliche noch besser schützen zu können.

Quelle: Kommission für Jugendmedienschutz vom 02.11.2017

Redaktion: Frank Beckmann

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