Positionspapier
KI kann die Kita unterstützen – aber keine Fachkraft ersetzen
Die Stiftung Kinder forschen legt ein Positionspapier zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Kindertageseinrichtungen vor. Darin ordnet sie die Chancen und Risiken von KI in der frühkindlichen Bildung ein und formuliert Leitlinien für einen verantwortungsvollen, menschenzentrierten Einsatz. Zugleich fordert sie von der Politik verlässliche und wirkungsorientierte Rahmenbedingungen.
19.03.2026
Während Künstliche Intelligenz im Schulbereich bereits breit diskutiert und erprobt wird, gewinnt sie zunehmend auch in der frühen Bildung an Bedeutung. Digitale Anwendungen halten Einzug in Kitas – doch verbindliche Leitlinien und eine fachlich fundierte Einordnung fehlen bislang.
Vor diesem Hintergrund legt die Stiftung Kinder forschen als größte frühkindliche Bildungsstiftung Deutschlands ein Positionspapier zum Einsatz von KI in Kindertageseinrichtungen vor. Ziel ist es, Trägern, pädagogischen Fachkräften und politischen Entscheidungsträgern Orientierung zu geben und den Diskurs aktiv mitzugestalten.
Im Zentrum steht ein klares Prinzip: KI darf pädagogisches Handeln nicht ersetzen. „KI kann Unterstützung und erste Assistenz sein – aber keine erste Pädagogin“, heißt es im Positionspapier.
Die pädagogische Fachkraft bleibt zentraler Bezugspunkt im Bildungsprozess. Beziehung, Erfahrung, Empathie und Ko-Regulation seien nicht technologisch ersetzbar. Dr. Tobias Ernst, Vorstand der Stiftung Kinder forschen, betont:
„Die Fachkraft-Kind-Beziehung bleibt zentral. Zudem ist KI kein Allheilmittel für strukturelle Herausforderungen wie Fachkräftemangel oder Bildungsungleichheit. Sie hat jedoch das Potenzial pädagogische Prozesse zu verbessern, indem sie Lernangebote individuell-adaptiv an die Bedürfnisse der Kinder anpasst. Das entlastet Fachkräfte und stärkt Kinder in ihrer Selbstwirksamkeit.“
Das Positionspapier differenziert zwischen Möglichkeiten und Grenzen auf drei Ebenen:
Organisation der Kita
KI kann administrative Prozesse wie Dienstplanung, Dokumentation oder Elternkommunikation erleichtern und so Zeit für pädagogische Arbeit schaffen. Gleichzeitig stellen Datenschutz, Datensicherheit und Infrastruktur hohe Anforderungen.
Pädagogische Fachkräfte
KI kann Fachkräfte bei Beobachtung, Dokumentation, Reflexion und Ideengenerierung unterstützen. Voraussetzung ist jedoch eine gezielte Qualifizierung. Ohne entsprechende Kompetenzen drohen Überabhängigkeit („Over-reliance“) oder Deskilling. Das Leitmotiv lautet: Pädagogik vor Technik.
Kinder
Adaptive Lernangebote können individuelle Lernprozesse unterstützen und Selbstwirksamkeit stärken. Zudem kann altersgerecht und am individuellen Entwicklungsstand des Kindes orientiert mit den Kindern über den Einsatz von KI im Alltag reflektiert werden. Gleichzeitig gilt: Lernen im Kita-Alter ist beziehungsgebunden. Emotionale Sicherheit und menschliche Interaktion sind nicht ersetzbar.
Forderungen an die Politik
Um einen verantwortungsvollen und chancengerechten Einsatz sicherzustellen, fordert die Stiftung einen aktiven politischen Gestaltungsrahmen. Dazu gehören:
- Verbindliche Integration von KI-Kompetenzen in Aus- und Fortbildung pädagogischer Fachkräfte
- Verankerung digitaler Bildung und informatischer Grundlagen in frühkindlichen Bildungsplänen
- Bedarfsgerechte Ressourcenzuweisung zur Sicherung von Bildungsgerechtigkeit
- Ausbau langfristiger, interdisziplinärer Forschung zu Wirkungen und Gelingensbedingungen von KI in der frühen Bildung
Vollständiges Positionspapier zum Einsatz von KI in der frühkindlichen Bildung
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