Bildung
Inklusive Beschulung von Kindern mit Behinderung – wie sieht der Faktencheck aus?
Die inklusive Beschulung in Deutschland wird trotz Kritik von Rechtspopulist*innen von Expert*innen der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin unterstützt. Studien belegen, dass solche Bildungskonzepte nicht nur die Lernergebnisse verbessern, sondern auch soziale und kommunikative Fähigkeiten bei allen Schüler*innen fördern und die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrkräfte stärken.
15.12.2025
Rechtspopulist*innen machen in Deutschland zunehmend mobil gegen die Inklusion und insbesondere gegen eine inklusive Beschulung. Mit fadenscheinigen Argumenten, die aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) einem fundierten Faktencheck in keiner Weise standhalten.
Die Vorteile inklusiver Konzepte und insbesondere der inklusiven Beschulung liegen so klar auf der Hand, dass die Vorbehalte gegen solche Modelle (negative Beeinflussung der Lernumgebung, Überforderung der Lehrkräfte) eindeutig widerlegt werden können, sagt Dr. Ute Mendes, Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums Friedrichshain und Vorstandsmitglied der DGSPJ. Und zwar mit Argumenten, die sich allesamt durch Studien belegen lassen und die Gesellschaft 2026 in den Fokus rücken möchte.
Die wichtigsten Vorteile inklusiver Beschulung sind:
- Inklusive Schulen können oft besser auf die Bedürfnisse aller Schülerinnen und Schüler eingehen, so dass die Anwesenheit von Kindern mit Behinderungen nicht zu schlechteren Lernbedingungen führt. Im Gegenteil: Inklusion kann sogar zu besseren Lernergebnissen führen. Hierfür sorgen gezielte Fortbildungen von Lehrkräften und bessere – auch personelle – Unterstützungssysteme im Schulalltag.
- Lehrerinnen und Lehrer, die im inklusiven Umfeld arbeiten, profitieren zudem gleich in doppelter Weise. Sie erleben dabei eine Bereicherung ihrer Lehrmethoden und eine Verbesserung ihrer pädagogischen Fähigkeiten.
- Studien zeigen, dass Kinder ohne Behinderungen in inklusiven Gemeinschaften ihre sozialen und kommunikativen Fähigkeiten weiter entwickeln können. Das Verständnis und die Akzeptanz von Vielfalt bei Kindern ohne Behinderungen nehmen zu. Zudem, so Ute Mendes, wirkt sich Inklusion positiv auf die Entwicklung von Teamarbeit und die sozialen Fähigkeiten aus, wenn inklusiv beschulte Kinder gut angeleitet werden. Auch Kinder ohne Behinderungen entwickeln durch die Zusammenarbeit mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern ein besseres Verständnis für heterogene Teamarbeit und lernen, unterschiedliche Perspek ven einzunehmen. Dies bereitet sie besser auf eine erfolgreiche Integration in die Gesellschaft vor, bekräftigt auch Prof. Volker Mall, Präsident der DGSPJ.
Paradebeispiel hierfür sind die Erfahrungen aus 12 Berliner Grundschulen. Mitarbeitende des Sozialpädiatrischen Zentrums im Vivantes-Klinikum im Friedrichshain setzen dabei seit mehr als 5 Jahren die Erkenntnis um, nur dann hilfreich für Kinder und Jugendliche sein zu können, wenn wir „uns über die medizinisch-therapeu sche Zuwendung hinaus zusätzlich mit ihrem sozialen Lebensraum
vernetzen und ihn in unsere Arbeit einbeziehen“, erläutert Ute Mendes. Die Schule sei hierfür im Zusammenspiel von Lehrerinnen und Lehrern, Eltern und (je nach Alter) Patientinnen und Patienten der ideale Ort. Und ein Ergebnis dieses inklusiven Ansatzes ist besonders markant: Kinder und Jugendliche, die inklusiv beschult werden, eignen sich schneller bestimmte Alltags- und Sozialkompetenzen an als Gleichaltrige in Förderzentren. Aus all diesen Gründen haben die ab dem 1. Januar 2026 am erenden neuen Co-Präsidenten der DGSPJ, Prof. Volker Mall und Dr. Andreas Oberle, die Inklusion zu einer der „zentralen Themen“ ihrer Präsidentschaft erklärt.
Weitere Infos hierzu unter: htps://friedafriedrichshain.org
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. vom 08.12.2025
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