Jugendsozialarbeit

Caritas fordert vom Land Baden-Württemberg stärkere Unterstützung des Jugendwohnens für Blockschüler

Der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. weist auf das zunehmende Aussterben der Berufschulen in den ländlichen Bereichen Baden-Württembergs hin. Der Berufsschulunterricht werde zentralisiert an einigen Standorten im Land angeboten, so die Caritas. Dies gelte etwa für Berufe wie Bäcker, Augenoptiker, Stuckateur oder Kachelofenbauer. Um den Blockunterricht besuchen zu können, könnten die Jugendlichen fernab der Heimat in einem Jugendwohnheim unterkommen.

18.03.2011

Das Problem dabei sei die Finanzierung: Von den 45 Euro, die ein Platz im Wohnheim am Tag koste, würden den jungen Menschen in Ausbildung knapp 33 Euro pro Tag berechnet. Nicht immer kämen die Eltern oder der Ausbildungsbetrieb für diese Kosten auf. Bei zwölf Berufsschulwochen im Jahr fresse die Unterkunft im Jugendwohnheim oft den gesamten Jahresverdienst auf. Zum Josefstag am 19. März wenden sich daher die beiden Caritasdirektoren der Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Freiburg, Johannes Böcker und Bernhard Appel, mit der Aufforderung an das Land, das Jugendwohnen für Blockschüler stärker zu unterstützen.

Bisher erhalten die Jugendlichen vom Land einen Zuschuss von 6 Euro pro Nacht in einem Jugendwohnheim. Torsten Trautwein, Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Katholischer Jugendsozialarbeit, macht allerdings einen traurigen Trend aus: „Es kommt immer häufiger vor, dass Jugendliche ihre Ausbildung abbrechen, da sie die Kosten fürs Jugendwohnen nicht mehr decken können.“ Für drei Wochen im Jugendwohnheim müssten sie 900 Euro berappen und das bei einem Monatsverdienst, der nicht selten bei 250 bis 300 Euro liege. „Diese Jugendlichen landen dann in Hartz IV.“

Blockschülern müsse unbedingt eine bezahlbare Unterkunft mit Verpflegung und pädagogischer Begleitung am Standort ihrer Berufsschule angeboten werden, betont Böcker. „Wir können es uns nicht leisten, dass junge Menschen ihre Ausbildung abbrechen, weil sie finanziell drauflegen müssen.“

Gleichzeitig stuft Bernhard Appel die im Land verteilten Jugendwohnheime als unbedingt notwendig ein, damit Jugendliche der mit ihrem Ausbildungsplatz verbundenen Schulpflicht überhaupt nachkommen können. „Jugendwohnheime sind ein Dienstleister fürs Land, das per Gesetz die Berufschulpflicht festgeschrieben hat.“ Als Kombination von Unterkunft, Verpflegung und sozialpädagogischer Begleitung schaffe das Jugendwohnen die Rahmenbedingungen, damit junge Menschen neben der beruflichen Herausforderung den Ablösungsprozess von Zuhause bewältigen.

Landesweit gibt es 17 Jugendwohnheime in katholischer Trägerschaft mit 1521 Unterkunftsplätzen. Insgesamt bestehen in Baden-Württemberg 72 Einrichtungen, die Jugendwohnen anbieten. Sie bieten 6.831 Plätze. Jährlich nutzen 25.000 Schüler dieses Angebot.

Der Josefstag ist ein bundesweiter Aktionstag katholischer Träger und Einrichtungen. Durch zahlreiche Aktionen machen sie am 19. März unter dem Stichwort „Jugend braucht Perspektive“ auf die Bedeutung ihrer Jugendberufshilfe und Jugendsozialarbeit aufmerksam.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit LAG ist der Zusammenschluss aller Katholischer Einrichtungen und Dienste, die in den unterschiedlichen Handlungsfeldern der Jugendsozialarbeit tätig sind wie etwa Jugendberufshilfe, Jugendwohnen oder Schulsozialarbeit. Ziel der Jugendsozialarbeit ist es, die Entwicklung junger Menschen zu fördern.

Quelle: Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V.

Redaktion: Ilja Koschembar

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