Bildungspolitik

Ausbildungsmarkt bietet mehr Chancen denn je

Eine junge Frau lernt einen technischen Beruf.

Die Verhältnisse am Arbeitsmarkt haben sich gründlich gewandelt. Trotz doppelter Abiturjahrgänge in Nordrhein-Westfalen und in Hessen macht sich die demografische Entwicklung am Arbeitsmarkt immer stärker bemerkbar. Noch nie waren die Einstellungschancen für Lehrlinge so gut wie heute.

12.08.2013

Selbst leistungsschwächere Jugendliche und Studienabbrecher sind gefragt. Auch Last-Minute-Bewerber haben noch Aussichten auf ihren Wunschberuf.

Die Kehrseite der Medaille: In den wirtschaftlich starken Regionen im Süden Deutschlands wird der Nachwuchs knapp. Die Zahl der Menschen, die altersbedingt in den Ruhestand treten, übertrifft die der Berufseinsteiger um 200.000.

Ausbildungsplätze in fast allen Berufen

Knapp vier Wochen vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1. September meldet die Bundesagentur für Arbeit noch 146.000 unbesetzte Lehrstellen bundesweit. Hinzu kommen 46.000 Bewerber, die ihren Vermittlungswunsch in eine betriebliche Lehre trotz alternativer Angebote aufrecht erhalten haben. Insgesamt sind erst 345.000 neue Ausbildungsverträge unter Dach und Fach - rund drei Prozent weniger als Ende Juli 2012.

Der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, erklärte: "22.3000 Ausbildungsplätze melden die Börsen der Handwerkskammern noch, dabei sind fast alle Berufe vertreten." Selbst Last-Minute-Bewerber hätten daher noch beste Chancen auf eine Ausbildung in ihrem Wunschberuf.

Zahlreiche Schulabgänger haben sich noch nicht entschieden, welche Lehrstelle sie antreten werden.

Alle Potenziale nutzen

Die Wirtschaft reagiert auf den sich abzeichnenden Fachkräftemangel. Sie ist darauf angewiesen, auf die Potenziale möglichst vieler junger Menschen zurückgreifen zu können.

Besonders leistungsschwache Schulabgänger werden nachgeschult. Lehrlinge haben bessere Chancen als jemals zuvor, von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen zu werden. Immer mehr Unternehmen beurteilen Bewerber nicht mehr in erster Linie nach Schulabschlüssen, sondern eher nach ihrem Eindruck in einem persönlichen Gespräch.

Der Präsident des ZDH, Otto Kentzler, forderte die Betriebe auf, auch jungen Menschen mit ausländischen Wurzeln eine Chance für eine qualifizierte Ausbildung zu geben. "Der Meister der Zukunft ist ein Türke", sagte er.

Bildungsketten für den Abschluss

Mit zahlreichen Initiativen hat die Bundesregierung dazu beigetragen, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt auch für leistungsschwächere Jugendliche verbessert hat. Nach wie vor gibt es noch zu viele Bewerberinnen und Bewerber, denen der Übergang von der Schule in die Ausbildung nicht gelingt.

Einige Schülerinnen und Schüler haben Defizite im Lesen, Schreiben und Rechnen. Auch diese Jugendlichen werden gebraucht, damit in Zukunft genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Deshalb gibt es zum Beispiel die Initiative "Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss". Mit diesem Programm fördert die Bundesregierung lerngefährdete Schülerinnen und Schüler, damit sie die Ausbildungsreife erlangen.

Praxisnahe Programme zur Berufsorientierung

Jugendliche haben unterschiedliche Begabungen. Ein praxisorientiertes Berufsorientierungsprogramm des Bundesbildungsministeriums soll Schulabbrüche verhindern helfen. Berufseinstiegsbegleiter betreuen die Jugendlichen auf ihrem Weg in die Ausbildung.

Berufliche Bildung – praktisch unschlagbar

Der Trend zu höheren Schulabschlüssen hält an. Die Konkurrenz zwischen dualer Ausbildung und Hochschulbildung nimmt zu. Große Sorgen bereitet den Kammern der Run auf die Universitäten. Immer mehr Realschüler holen das Abitur nach, immer mehr Abiturienten strömen an die Universitäten. Zugleich gehen Deutschland die Fachkräfte aus.

Deshalb informiert die Initiative "Berufliche Bildung – praktisch unschlagbar" in ganz Deutschland über die Vorteile der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Ziel ist es, die hohe Attraktivität der dualen Ausbildung und die vielfältigen Chancen beruflicher Weiterbildung einer breiteren Öffentlichkeit deutlich zu machen.

Ausbildung für Studienabbrecher

Jedes Jahr brechen 100.000 junge Menschen in Deutschland ihr Studium ab. Ihnen bietet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) berufliche Perspektiven, zum Beispiel mit verkürzten und auf ihre Vorbildung zugeschnittenen Ausbildungen.

Nach Einschätzung des DIHK versuchen  immer mehr Unternehmen, Schulabgänger mit Extraleistungen für eine Lehrstelle zu gewinnen. Hier und da gebe es für Auszubildende kostenlose Tickets für den öffentlichen Nahverkehr, einen Laptop oder einen Auslandsaufenthalt, sagte der stellvertretende DIHK-Geschäftsführer Achim Dercks, der Stuttgarter Zeitung. Allerdings zögen sich Betriebe zurück, die in den vergangenen Jahren erfolglos Auszubildende gesucht hätten.
 
Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung vom 12.08.2013E-Mail:

Redaktion: Anneli Starzinger

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