Qualifizierung

Aus für Bibernetz? Bundesministerium will Plattform für frühkindliche Medienbildung schließen

Das Bild zeigt einen Stempel, auf dem "Abgelehnt" steht.

Bibernetz ist ein Netzwerk zur frühkindlichen Bildung. Auf der bundesweiten Internet-Plattform können sich Fachkräfte im Berufsfeld der Frühpädagogik informieren, miteinander in Kontakt zu treten und voneinander lernen. Nun wurde bekannt, dass mit Ende des Jahres 2013 die Plattform "Bibernetz" geschlossen werden soll.

13.08.2013

Bei dem Netzwerk zur frühkindlichen Bildung geht es vor allem um Medienerziehung in Kindertagesstätten und in Grundschulen. Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte erhalten Anregungen, können Materialien austauschen und erhalten Hinweise für Fort- und Weiterbildungen (<link http: www.bibernetz.de>www.bibernetz.de).

Das Projekt BIBER, aus dem die Plattform hervorging, wurde von 2007 bis 2012 mit rund 4,2 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der Initiative "Schulen ans Netz" betrieben. Die Plattform diente auch einer bundesweiten Medienqualifizierung für Erzieherinnen und Erzieher. Diese Qualifizierung wurde vom BMBF und dem Europäischen Sozialfonds mit insgesamt rund 12,5 Millionen Euro gefördert. Zeitweise waren mehr als 27.000 Fachkräfte auf der Plattform registriert. Nach Beendigung des Projekts bei "Schulen ans Netz" erklärte sich die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" bereit, die Plattform im Rahmen einer Nachnutzung weiterzuführen.

Nun wurde bekannt, dass mit Ende des Jahres 2013 die Plattform „Bibernetz“ geschlossen werden soll. Fachkräfte, die mit Bibernetz viele positive Erfahrungen sammelten, seien empört. So schrieb Sabine Eder auf der Facebook-­Seite des Vereins Blickwechsel e.V.: „Es würde für unsere Arbeit und sicher auch für die Arbeit vieler anderer ein tiefer Einschnitt sein, wenn die Plattform eingestellt werden würde. Der Blickwechsel nutzt Bibernetz in der täglichen Aus-­ und Weiterbildungsarbeit mit Erzieher/innen, sozialpädagogischen Fachkräften und Grundschullehrer/innen. Es wäre mehr als bedauerlich auf die Informationen, das Netzwerk, die Tools verzichten zu müssen. Vor allem auch, weil sich bibernetz.de dem wichtigen Thema der Frühen Medienbildung widmet“.

Die Initiative „Keine Bildung ohne Medien!“ schließt sich diesem Protest an. Es sei völlig unverständlich, Millionen-Beträge in ein sinnvolles Informations‐ und Qualifizierungsprojekt zu investieren, um es dann abzuschalten. Evaluationen bestätigen eine erfolgreiche Arbeit des Projekts, das 2011 den Deutschen Bildungsmedienpreis "digita" erhielt; die Plattform wird nach wie vor von mehreren tausend Mitgliedern aktiv genutzt. Hier frage man sich, ob so Nachhaltigkeit aussehe. Und ob nicht gerade solche Modellprojekte weiter gefördert werden sollten, die sich in der Praxis bewährten. In den Wahlprüfsteinen "Medienkompetenz", die anlässlich der Bundestagswahl aktuell erschienen, setzen sich nahezu alle Parteien für eine nachhaltige Förderung der frühkindlichen Medienbildung ein (<link http: www.keine-bildung-ohne-medien.de external-link-new-window external link in new>www.keine-­bildung-­ohne-medien.de).

Aktuell investiere das BMBF erhebliche finanzielle Mittel einseitig indas Nachfolgeprojek "Haus der kleinen Forscher". Dieses Projekt dient vor allem der naturwissenschaftlichen und technischen (Früh-­)Bildung. Medienbildung hingegen habe eine umfassende Aufgabenstellung, fokussiere nicht auf die Sachlogiken naturwissenschaftlichen Denkens, sondern stelle die Kinder mit ihren Wahrnehmungen und  Formen der Weltaneignung in den Mittelpunkt und integriere hierin Aufgaben einer altersgerechten Medienbildung.

Die Initiative „Keine Bildung ohne Medien!“ setzt sich für eine nachhaltige und breitenwirksame Förderung von Medienbildung in allen Bildungsbereichen ein. Auch in der frühkindlichen Medienbildung ist Deutschland noch relativ weit von diesem Ziel enuernt. Deshalb wird die Bundesregierung von der Initiative aufgefordert, zusammen mit den Ländern, den zuständigen Fachministerienm, den Landesmedienanstalten und weiteren Einrichtungen einen Weg zu finden, um

  • ein bundesweites Portal im Bereich der frühkindlichen Medienbildung aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln, auch im Hinblick auf geeignete Informationen für Eltern (Eltern‐ und Familienbildung),
  • ein bundesweit vernetztes Weiterbildungsangebot im Bereich der frühkindlichen Medienbildung zu gewährleisten (ergänzend zu den Anstrengungen im Ausbildungsbereich pädagogischer Fachkräfte, die erheblich zu intensivieren sind),
  • die bestehenden lokalen und regionalen Kompetenznetzwerke in diesem Bereich zu stärken.

Die Initiative "Keine Bildung ohne Medien!" verweist in diesem Zusammenhang auch auf die aktuell erschienene Bestandsaufnahme "Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche", die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erausgegeben wurde (vgl. <link http: www.medienkompetenzbericht.de external-link-new-window external link in new>www.medienkompetenzbericht.de).

Hintergrundinformation

Die Initiative "Keine Bildung ohne Medien!" setzt sich dafür ein, allen Mitgliedern der Gesellschaft eine grundlegende Medienbildung zu ermöglichen. Die Initiative geht auf das Medienpädagogische Manifest zurück, das 2009 von zentralen medienpädagogischen Einrichtungen in Deutschland veröffentlicht wurde. Das Bündnis versteht sich als Impulsgeber für bildungspolitische Aktivitäten zur Förderung eines kreativen, selbstbestimmten, kritischen und sozial verantwortlichen Umgangs mit Medien. Gleichzeitig ist die Initiative ein Netzwerk, das engagierte Einzelpersonen und Einrichtungen im Feld der Medienbildung zusammenführt.

Quelle: Pressemitteilung der Initiative "Keine Bildung ohne Medien!" vom 12.08.2013

Redaktion: Kerstin Boller

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